Rückenschmerzen

Der umfangreiche Ratgeber im Überblick

Über Rückenschmerzen, die Volkskrankheit Nummer 1, kursieren viele Mythen und Missverständnisse.

Bei vielen Betroffenen lindern sich die Beschwerden zum Glück bereits nach kurzer Zeit und es bedarf nur einiger Hausmittel und Übungen, um die schlimmsten Rückenschmerzen zu lindern. Doch andere Patienten wiederum haben einen langen und komplexen Leidensweg vor sich, weil sie nicht richtig diagnostiziert und weder umfangreich noch kompetent informiert werden.

Wir von Kaia Health haben es uns zur Aufgabe gemacht, Dir mit unserem medizinischen Team wissenschaftlich fundierte und doch einfach verständliche Antworten auf die Frage zu geben, wie Du wieder schmerzfrei werden kannst.

Einteilung und Kategorisierung von Rückenschmerzen

Die Ursachen von Rückenschmerzen sind weitaus komplexer und individueller als vielmals angenommen. Die Wahl der richtigen Behandlungsmethode hängt maßgeblich davon ab, dass die Rückenschmerzen richtig eingeordnet werden. Welche unterschiedlichen Formen von Rückenschmerzen es gibt, wollen wir im folgenden aufzeigen.

Schmerzlokalisierung: Wo liegen die Rückenschmerzen?

Diese Frage kannst Du als Betroffene oder Betroffener am leichtesten selbst beantworten. Die Lage der Beschwerden grenzt die Suche nach möglichen Ursachen und Behandlungsalternativen zumindest ein wenig ein. Eine grundsätzliche Unterscheidung kann bei Rückenschmerzen wie folgt getroffen werden:

Diagnose und Ursachen

Bei Rückenschmerzen sollte zunächst immer die Frage, gestellt werden ob eine behandlungsbedürftige (organische) Ursache wie eine Verletzung vorliegt. Ist dies der Fall, so sprechen Mediziner von spezifischen Rückenschmerzen. 

Ein Besuch beim Hausarzt kann hier schnell Klarheit verschaffen. Die wichtigsten Hinweise auf eine Erstdiagnose ergeben sich im Arzt-Patienten-Gespräch aus Deinem Beschwerdebild und Deiner Krankenvorgeschichte. Tests der Kraft und Beweglichkeit im Rahmen einer körperlichen Untersuchung liefern weitere Informationen. Nur wenn bestimmte Warnhinweise auf eine gefährliche Ursache, sogenannte „red-flags“ vorliegen, muss eine weitere Untersuchung beim Spezialisten erfolgen.

In der Praxis kann jedoch in 85-90% der Fälle keine spezifische Ursache gefunden werden – man spricht von unspezifischen Rückenschmerzen.

Unspezifische Ursachen hängen mit Über- und Fehlbelastungen des Muskel-Skelett-Systems zusammen, die nicht durch das Arzt-Patienten-Gespräch oder eine Bildgebung (z.B. MRT) eindeutig zugeordnet werden können.

Zu den unspezifischen Ursachen gehörten:
  • Verspannte, verkürzte oder überdehnte Muskeln
  • Verhärtete bzw. verklebte Faszien
  • Probleme mit Sehnen und Bänder
Mögliche Auslöser dieser Ursachen sind:
  • Bewegungsmangel
  • Überlastung durch schwere körperliche Arbeit
  • Einseitige Bewegungsabläufe
  • Zurückbildung einzelner Muskelgruppen
  • Ungleichgewichte im muskulären Bewegungsapparat
  • Starkes Übergewicht und überhöhter Suchtmittelkonsum (Rauchen, Alkohol) 

Dauer der Rückenschmerzen

Abhängig von der Antwort werden die Rückenschmerzen anhand der folgenden Zeiträume in akut, subakut und chronisch unterteilt:

Bezeichnung Dauer der Beschwerden
Akute Rücken- und Kreuzschmerzen 0-6 Wochen, erstmalig oder zuvor seit mindestens 6 Monaten schmerzfrei
Subakute Rücken- und Kreuzschmerzen 6-12 Wochen
Chronische Rücken- und Kreuzschmerzen länger als 3-6 Monate (abhängig von der Definition)

Weitere wichtige Fragen in der Anamnese von Rückenschmerzen stellen sich nach der Häufigkeit (einmalig, wiederkehrend oder anhaltend) und der Ausprägung (leicht, wechselnd, unerträglich).

Doch warum ist diese Unterscheidung so wichtig?

Akute und chronische Rückenschmerzen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Behandlung!

Behandlungen von Rückenschmerzen

Die Behandlung Rückenschmerzen sollte sich stets nach der Ursache richten
Die Behandlung Rückenschmerzen sollte sich stets nach der Ursache richten

Die Wahl der Behandlung von Rückenschmerzen sollte sich stets nach der Ursache richten.

Akute, unspezifische Rückenschmerzen sind meist sehr schmerzvoll, jedoch nicht bedrohlich! Daher sollte hier der Fokus in erster Linie darauf liegen, die schlimmsten Schmerzen mit Hausmitteln wie Wärme zu lindern.  10

Auch Schmerzmittel können dabei eine Rolle spielen. Du solltest aber der Versuchung widerstehen, Medikamente als dauerhafte Behandlungsoption anzusehen. Medikamente können zwar die Symptome lindern, jedoch weder spezifische noch unspezifische Ursachen für Rückenschmerzen heilen! Und auch die Nebenwirkungen bei dauerhafter Einnahme sind nicht zu unterschätzen. 11,12

Die wichtigste Botschaft für Betroffene mit unspezifischen Rückenschmerzen lautet in der Regel:

Bewegung ist die beste Medizin!

Bei erstmalig auftretenden akuten Rückenschmerzen sollte laut aktuellen Versorgungsleitlinien hauptsächlich die normale alltägliche Bewegungsaktivität aufrechterhalten werden. 13,14 Im weiteren Verlauf kann auch ein gezieltes Rückentraining helfen, dazu später mehr.

Bei spezifischen Rückenschmerzen und lange anhaltenden (chronischen) Rückenschmerzen reicht Bewegung als alleinige Behandlungsmethode möglicherweise aber nicht aus.

Eine multimodale Schmerztherapie geht über die Stärkung der Rückenmuskulatur und der Verbesserung der Haltung hinaus, indem Sie auch Entspannungsmethoden vermitteln, sowie Strategien, um mit dem Schmerz und den damit verbundenen negativen Gefühlen besser umzugehen.15

Operationen hingegen sind nur äußerst selten notwendig und nur dann erfolgsversprechend, wenn auch wirklich eine spezifische, körperliche Ursache den Rückenschmerzen zu Grunde liegt.

In den folgenden verlinkten Artikeln informieren wir Dich daher tiefgehend über den Sinn und Unsinn verschiedener Behandlungsmethoden und geben umfangreiche Ratschläge, in welchen Situationen die jeweiligen Behandlungen positiv zur Linderung der Beschwerden beitragen können.

Krankheiten und Verletzungen als Auslöser von Rückenschmerzen

Wenn Du mit den Rückenschmerzen bereits beim Arzt warst, besteht die Chance, dass Du dort bereits eine (vermeintliche) spezifische Ursache diagnostiziert bekommen hast.

Verschleiß an der Wirbelsäule kann zu Schmerzen führe-  in vielen Fällen zeigen bildgebende Verfahren diese Veränderungen aber auch bei vollkommen gesunden Menschen. 16,17

Warnhinweise, die sog. "Red Flags", können auf eine gefährliche Ursache für Rückenschmerzen hinweisen
Warnhinweise, die sog. „Red Flags“, können auf eine gefährliche Ursache für Rückenschmerzen hinweisen

In vielen Fällen verbergen sich hinter den Diagnosen keine Ursache, die zwingend operativ behandelt werden müssten. So können beispielsweise viele leichtere Bandscheibenvorfälle auch konservativ mit Physiotherapie behandelt werden.

Daher ist es durchaus sinnvoll, sich im Falle einer Diagnosestellung umfangreich über das Beschwerdebild informieren und sich einen Überblick über das gesamte Spektrum der Behandlungsalternativen zu verschaffen.

Wirklich bedrohliche Krankheiten (z.B. Knochenbrüche, Entzündungen, Nervenschäden oder Tumore) sind äußerst selten Ursache von Rückenschmerzen. Einen Warnhinweis darauf erhält der Arzt im Arzt-Patienten-Gespräch, wenn er sich nach den folgenden sogenannten „Red-Flags“, also „rote Fahnen“ erkundigt. 18

Dazu gehören Fragen wie:

  • Bestehen Ihre Rückenschmerzen seit einem Unfall und sind ärztlich noch nicht abgeklärt worden?
  • Besteht der Verdacht auf eine verminderte Knochendichte (Osteoporose)?
  • Ist ein Tumorleiden bekannt oder leidet der Patient in letzter Zeit an Gewichtsverlust, nächtlichen Schweißausbrüchen, Appetitlosigkeit oder rascher Ermüdbarkeit?
  • Bestand in der letzten Zeit Fieber oder Schüttelfrost?
  • Bestand in den letzten Monaten eine bakterielle Entzündung?
  • Gab es eine Injektionsbehandlung im Bereich der Wirbelsäule?
  • Besteht neben den Rückenschmerzen einen Verlust von Gefühl oder Bewegung in einem der Beine bemerkt?
  • Bestehen Probleme Stuhl, Harn oder Winde zu halten oder Gefühlsstörungen im Intimbereich?
  • Gerät der Patient beim Treppensteigen schon nach weniger als zwei Stockwerken außer Atem?

Das Vorliegen von Red-Flags ist noch keine Diagnose! Es sollten in diesem Fall unbedingt weitere Untersuchungen vorgenommen werden, um aus der Gesamtheit aller Symptome auf eine mögliche Krankheit als Ursache zu schließen.

Hier findest Du vertiefende Informationen über die Beschwerdebilder und Begriffe rund um verschiedene Rückenprobleme – wir versuchen zu erklären, was es damit auf sich hat und welche Behandlungsmöglichkeiten sich in diesen Situationen ergeben.

Rückenübungen: Selbst aktiv werden gegen Rückenschmerzen

Bewegung ist wichtig in der Behandlung und zur Vermeidung von Rückenschmerzen, damit das optimale Zusammenspiel zwischen Wirbeln, Bandscheiben, Bändern und Muskeln aufrechterhalten werden bzw. wiederhergestellt werden kann.

Durch ständiges Sitzen oder körperliche Belastung kann das optimale Zusammenspiel gestört werden. Fehlbelastungen, Verspannungen und nicht zuletzt Rückenschmerzen folgen.

Zur Prävention von Rückenschmerzen und bei subakuten sowie chronischen Beschwerden ist eine Bewegungstherapie und ein gezieltes Rückentraining laut aktueller Leitlinie zur Behandlung von Kreuzschmerzen (NVL) das Mittel der Wahl. 19

Für jeden Bereich der Wirbelsäule gibt es selbstverständlich spezielle Rückenübungen, mit denen man Schmerzen entgegenwirken kann. Jedoch sollte auch immer darauf geachtet werden, dass nicht nur der schmerzende Rückenbereich, sondern die gesamte stabilisierende Tiefenmuskulatur der Wirbelsäule und weitere wichtige Muskeln ganzheitlich trainiert werden.

Schließlich geht es wie zuvor beschrieben um das Zusammenspiel des Bewegungsapparats. Ein zu einseitiges Training könnte daher wiederum kontraproduktiv sein.

Wie Du mit effektiven Rückenübungen aktiv werden kannst zeigen wir Dir hier:

 

Rückengesundheit: Rückenschmerzen im Alltag vorbeugen

Chronische Rückenschmerzen
Ein gutes soziales Umfeld und die Vermeidung von Stress sind sehr wichtig zur Behandlung sowie Prävention von Rückenschmerzen.

Oft liegt die Ursache für sich verschlechternde Rückengesundheit in einem rückenschädlichen Verhalten im Alltag kombiniert mit dem zuvor angesprochenen Bewegungsmangel.

Dazu gehören besonders das viele Sitzen oder ungleichmäßige Belastungen des Rückens bei schwerer körperlicher Arbeit. 20

Ergonomische Probleme ergeben sich aus einer unvorteilhaften Sitzposition oder wenn der Körper am Arbeitsplatz ständig in eine unnatürliche Haltung gezwungen wird.

Gerade auch sogenannte „psychosoziale Faktoren“ spielen eine entscheidende Rolle dabei, ob akute Rückenschmerzen schnell gelindert werden können oder sich mit der Zeit hartnäckig festsetzen.

Diese „Yellow Flags“, also „gelbe Fahnen“, als Hinweis auf Einflussfaktoren durch die Umgebung oder auch die Psyche wie Stress für chronische Rückenschmerzen sind zum Beispiel 21:

  • Arbeitsbezogener Stress
  • Berufliche Unzufriedenheit
  • Familiäre Probleme
  • Depressivität
  • Kontraproduktives Schmerzverhalten (Ängste, Hoffnungslosigkeit, Vermeidungsreaktionen)
  • Kontinuierliche Überbelastung
  • Nikotinkonsum und Übergewicht
  • Übertriebener Fokus auf körperliche Faktoren als Schmerzauslöser

In den folgenden ausführlichen Artikeln zeigen Dir wertvolle Tipps für mehr Rückengesundheit im Alltag und wie Du psychosoziale Faktoren derart beeinflussen kannst, um das Risiko für eine Chronifizierung der Rückenschmerzen zu mindern: