Bandscheibenvorfall: Ursachen & Behandlung

Kaum ein anderes Krankheitsbild der Wirbelsäule ist allgemein so bekannt wie der Bandscheibenvorfall. Wenn der Rücken schmerzt, etwa bei einem Hexenschuss fragen sich viele Betroffene bei stärkeren Beschwerden, ob ein Bandscheibenvorfall dahinter stecken kann.

Dabei ist das Krankheitsbild des Bandscheibenvorfalls ziemlich kompliziert.

So verursachen viele Bandscheibenvorfälle zum Beispiel gar keine Beschwerden und oft bessern sich die Beschwerden, ohne dass sich an der Größe oder Lage des Bandscheibenvorfalls etwas geändert hätte.[1,2] Auch die einzelnen Beschwerden, die bei einem Bandscheibenvorfall vorliegen können, sind bei verschiedenen Patienten sehr unterschiedlich ausgeprägt.

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RĂĽckenschmerzen mit all ihren Ursachen sind ein sehr häufiges Beschwerdebild – davon aber ist nur ein kleiner Teil durch Bandscheibenvorfälle bedingt. So gehen Experten von etwa 50-70% aller Menschen aus, die innerhalb eines Jahres an RĂĽckenschmerzen leiden.[3] Bandscheibenvorfälle dagegen sind deutlich seltener und liegen wohl bei etwa 1-2% der Menschen vor [4], sodass der ĂĽberwiegende Teil der RĂĽckenschmerzen nicht von der Bandscheibe herrĂĽhrt, wie auch die geltenden deutschen Leitlinien betonen.[5]

Im folgenden Artikel möchten wir auf der Basis aktuellen medizinischen Wissens einen Überblick über das Gebiet der Bandscheibenvorfälle geben und Ursachen, Beschwerden und Behandlungsstrategien von Bandscheibenvorfällen vorstellen.

Die Ursachen: So entsteht ein Bandscheibenvorfall

Im weiteren Sinne sind Bandscheibenvorfälle in aller Regel die Folge schleichender Abnutzungserscheinungen (degenerativer Veränderungen) der Wirbelsäule.[6] Auch wenn die Beschwerden oft als akut auftretend beschrieben werden, liegt nur selten eine akute Verletzung der Bandscheibe vor. Der Vorfall ist meistens die Folge eines schleichenden Prozesses.

Aufbau und Funktion von Bandscheiben und Wirbelsäule

Aufbau der Wirbelsäule mit Bandscheiben
Abbildung 1: Die Bandscheiben liegen zwischen jeweils zwei Wirbeln und bestehen aus dem faserigen Ring und einem Gallertkern. An der Rückseite der Bandscheiben liegen Nervenwurzeln und der Rückenmarkskanal. Adaptiert von debivort

Bandscheiben liegen innerhalb der Wirbelsäule zwischen zwei benachbarten Wirbeln und erfüllen hier mehrere Funktionen: Zum einen können sie auf Erschütterungen wie eine Art Stoßdämpfer reagieren, zum anderen verformen sie sich bei Bewegungen der Wirbelsäule und tragen so zur Flexibilität der Wirbelsäule bei.[7]

Bandscheiben bestehen zu diesem Zweck aus einem harten, faserigen Außenteil (Anulus fibrosus) und einem verhältnismäßig weichen, gallertartigen Kern (Nucleus pulposus).[8] Durch die Schwerkraft und das Eigengewicht des Körpers drückt sich das Wasser im Laufe eines Tages aus dem weichen Bandscheibenkern.[9]

Bandscheiben haben aber nach dem Kleinkindalter keine eigene Blutversorgung, weshalb sie das Wasser in der Regel nicht ĂĽber die Blutbahn aufnehmen, sondern das Blut durch einen steten Wechsel und Belastung und Entlastung wie ein Schwamm aus der Umgebung aufsaugen.[10]

Diese Aufnahme ist häufig nicht ausreichend, sodass der eigentlich wässrig weiche Kern der Bandscheibe (Nucleus pulposus) über die Zeit härter wird und sich Risse im faserigen Ring (Anulus fibrosus) bilden. Denn durch die unzureichende Versorgung mit Wasser und Nährstoffen heilen die Veränderungen nicht aus.

Prozess: Abnutzungserscheinungen (Degeneration) der Bandscheibe

Stufen eines Bandscheibenvorfalls
Abbildung 2: Der Unterschied zwischen einer gesunden Bandscheibe, einer Vorwölbung (Protrusion), bei der der Faserring noch intakt ist, und einem Bandscheibenvorfall, bei dem der Gallertkern auf die Nervenwurzel drückt.

Durch diese Funktionsstörung des Rings kann nun der Druck durch den Kern auf den Faserring zu zwei verschiedenen Störungen führen. Entweder drückt der in der Mitte gelegene Kern den am Rand gelegenen Ring mit Ihm nach außen in eine Vorwölbung (Bandscheibenprotrusion) oder der Kern durchbricht den Faserring komplett- der „klassische“ Bandscheibenvorfall (Mediziner sprechen auch von einer Diskushernie).

Bandscheibenveränderungen können sowohl seitlich (lateral) als auch mittig (medial) vorkommen. Seitliche Bandscheibenvorfälle drücken, wie in der Abbildung 2 zu sehen ist, eher auf die seitlich austretende Nervenwurzel, während mittlere Bandscheibenvorfälle sich in der Mitte in den Rückenmarkskanal hineinwölben.

Da der Bandscheibenkern (Nucleus pulposus) im Alter auch weiter aushärtet, wird er seltener nach außen gedrückt. Das ist ein entscheidender Grund, warum Bandscheibenvorfälle zwischen dem 30. Und dem 50. Lebensjahr am häufigsten Beschwerden verursachen, obwohl mit zunehmendem Lebensalter Abnutzungen der Bandscheibe immer häufiger werden.[11]

Beschwerden bei einem Bandscheibenvorfall

Die klassische medizinische Sichtweise sieht den Druck des Bandscheibengewebes auf Nervenwurzeln an ihrem Austrittspunkt als Ursache der Beschwerden an.[12] Doch die Ursache der Beschwerden bei einem Bandscheibenvorfall ist wohl deutlich komplizierter.

Denn wie bereits in der Einleitung erwähnt verursachen viele Bandscheibenvorfälle keinerlei Beschwerden – sie werden als reine Zufallsbefunde bei beschwerdefreien Menschen entdeckt.[13,14]

DarĂĽber hinaus scheint der reine Kontakt zwischen Bandscheibengewebe und einer Nervenwurzel oft zu reichen, um starke Schmerzen auszulösen – auch ohne nennenswerten Druck auf eine Nervenwurzel.[15] Experten sind der Meinung, dass der Kontakt zwischen Bandscheibengewebe und einer Nervenwurzel eine EntzĂĽndungsreaktion im Nerv hervorruft, die sehr starke Schmerzen auslösen kann.[16]

Die meisten Bandscheibenvorfälle treten an der unteren Lendenwirbelsäule auf

Weil auf der Lendenwirbelsäule (LWS) eine deutlich höhere Belastung ruht als auf der Hals- oder Brustwirbelsäule und sie aber trotzdem verhältnismäßig beweglich ist, treten etwa 90% der Bandscheibenvorfälle an der LWS auf.[17] Hier sind insbesondere die tief liegenden Nervenwurzeln nahe dem Übergang zum Kreuzbein betroffen (L4/5 und L5/S1, die im Normalfall beiden untersten Nervenwurzeln des Lendenbereichs).[18]  Die restlichen 10% sind überwiegend Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule (HWS) und betreffen hier ebenfalls insbesondere den unteren Bereich der HWS am Übergang zur Brustwirbelsäule. Bandscheibenvorfälle der Brustwirbelsäule (BWS) dagegen sind verhältnismäßig selten.[19]

Symptome des Bandscheibenvorfalls

Prinzipiell denken viele Menschen bei allen stark ausgeprägten, frischen Schmerzen des Rückens an einen Bandscheibenvorfall. Doch Bandscheibenvorfälle haben in der Regel typische Symptome, welche es Ärzten ermöglichen, schon anhand der Krankengeschichte an einen Bandscheibenvorfall zu denken und weitere Untersuchungen einzuleiten.

  • Wichtigstes Symptom sind in der Regel eine Reihe von Beschwerden, die auf die Reizung einer konkreten Nervenwurzel durch den Bandscheibenvorfall hindeuten. Dabei macht der Bandscheibenvorfall auf jeder Höhe der Wirbelsäule unterschiedliche, charakteristische Beschwerden, da er jeweils unterschiedliche Nervenwurzen reizt.[16,21]
    • Das klassische Symptom eines Bandscheibenvorfalls der Lendenwirbelsäule sind Ischiasschmerzen, also Schmerzen, die in das Versorgungsgebiet eines bestimmten Nervs oder einer Nervenwurzel am Bein ausstrahlen und sich auch in der ärztlichen Untersuchung zeigen. [20] Jede Nervenwurzel, die durch einen Bandscheibenvorfall gereizt werden kann, hat ein charakteristisches Versorgungsgebiet, so dass die Verortung der Schmerzen durch den Betroffenen bereits RĂĽckschlĂĽsse auf die Höhe des Bandscheibenvorfalls zulässt.[16]
    • Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule verursachen häufig eine charakteristische Schmerzausstrahlung an Arm oder Schulter, ähnlich den Beinschmerzen bei lumbalen Bandscheibenvorfällen.[21]
    • Gelegentlich berichten Betroffene von einer Schmerzverstärkung durch Bewegungen, Husten, Niesen oder Pressen.[22]
    • Bei starkem Druck auf die Nervenwurzel können Muskeln, welche durch die Nervenwurzel versorgt werden, in ihrer Kraftentwicklung beeinträchtigt sein oder auch ausfallen.[23]
    • Ebenso kann die Empfindung in gewissen Zonen der Haut (sogenannte Dermatome), welche wieder den einzelnen Nervenwurzeln zugeordnet werden können, ausfallen oder kribbelnd-pelzig werden.[23]
  • Oft treten die Schmerzen zwar anfallsartig und plötzlich auf, aber in den Wochen und Monaten vor dem akuten Schmerzereignis sind ihnen bereits mildere Beschwerden vorausgegangen.[4]
  • Ein sehr seltener Sonderfall liegt vor, wenn ein in der Mitte gelegener Bandscheibenvorfall auf das gesamte RĂĽckenmark oder seine Ausläufer drĂĽckt. Hier können Empfindungsstörungen oder Lähmungen wie bei einer Querschnittslähmung auftreten. Bei Medizinern bekannt ist hier insbesondere der Bandscheibenvorfall, der auf die letzten Ausläufer des RĂĽckenmarks, die Cauda equina (lateinisch fĂĽr Pferdeschweif) drĂĽckt. Hier können Kontinenzprobleme wie Störungen beim Wasserlassen oder Stuhlhalten, Störungen der Sexualfunktion oder auch Empfindungsstörungen im Intim- oder Analbereich die Symptome sein. Bei diesen Beschwerden sollte eine notfallmäßige ärztliche Abklärung erfolgen.

Diagnose bei Verdacht auf Bandscheibenvorfall

Hinweise aus dem Arzt-Patienten-Gespräch

Der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall ergibt sich in der Regel aus den Beschwerden. Ärzte können bereits aus der Krankengeschichte wertvolle Hinweise erhalten.[16,21]

Denn Rücken- oder Nackenschmerzen stehen vor allem dann im Verdacht, durch die Bandscheiben verursacht zu sein, wenn in der Krankengeschichte eines der folgenden Symptome zusätzlich zu den Schmerzen in Nacken oder Rücken auftaucht:[24]

  • Schmerzen, die in die Arme oder Beine ausstrahlen
  • Kraftminderung der Muskeln an Armen oder Beinen
  • GefĂĽhlsstörungen oder brennend-pelzige Empfindungen an Armen oder Beinen.

Körperliche Untersuchungen

Besondere Bedeutung hat bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall auch die körperliche Untersuchung. In der Untersuchung helfen folgende Punkte oft weiter:

  • Die Untersuchung darauf, ob Ă„rzte durch spezielle Untersuchungen (Provokationstests) die Schmerzen auslösen oder Verstärken können. Hier gibt es fĂĽr den Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule (Spurling-Test) wie auch der Lendenwirbelsäule (Lasegue-Test, gekreuzter Lasegue-Test, Bragard-Test) Untersuchungen, die helfen einzuschätzen, ob die Beschwerden durch einen Bandscheibenvorfall bedingt sind.[20,25] Wichtig ist hierbei insbesondere die Frage, wohin die Schmerzen bei diesen Tests genau ausstrahlen.
  • Die detaillierte Untersuchung der Muskeln an Armen oder Beinen auf eine Kraftminderung einzelner Muskeln und der Reflexe, vor allem im Vergleich zur Gegenseite.[4,16]
  • Die detaillierte Untersuchung der BerĂĽhrungsempfindlichkeit an Armen oder Beinen soll feststellen, ob in den Versorgungsgebieten einzelner Nervenwurzeln (Dermatome genannt) Orte bestehen, die BerĂĽhrungen nicht mehr und verändert (kribbeln, pelzig) wahrnehmen.[4,16]
  • Weitere körperliche Untersuchungen durch den Arzt können dem Zweck dienen, die Beschwerden sicher gegenĂĽber anderen möglichen Ursachen abzugrenzen (z.B. Untersuchung der HĂĽfte und des Iliosakralgelenks).[4]

Bildgebung: Kernspintomographie (MRT) bei Verdacht auf Bandscheibenvorfall

MRT bei Bandscheibenvorfall (L4/L5)
Kernspintomographie (MRT) ist in der Regel das bildgebende Verfahren der Wahl bei der Diagnose von Bandscheibenvorfällen

Ergibt sich aus der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall, wird in der Regel als nächster Schritt die Wirbelsäule im betroffenen Abschnitt mittels medizinischer Bildgebung dargestellt.

Die besten Ergebnisse liefert hierbei in der Regel die Kernspintomographie (MRT) zur Suche nach dem Bandscheibenvorfall. Diese Untersuchung kann in der Regel alle Strukturen der Wirbelsäule sicher darstellen. Darüber hinaus verursacht sie keine Belastung des Körpers mit Röntgenstrahlung.[16,26]

Andere bildgebende Verfahren wie die Röntgenuntersuchung oder die Computertomographie (CT) sind bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall in der Regel nicht nötig, können aber helfen, wenn darüber hinaus noch andere Fragestellungen mit der Untersuchung beantwortet werden sollen. Auch wenn Gründe gegen eine Kernspinuntersuchung sprechen, kommen diese Untersuchungen als Alternative in Betracht.[16]

Weitere Untersuchungen, wie beispielsweise Messungen der Funktionstüchtigkeit der einzelnen Nerven (Nervenleitgeschwindigkeit/Elektromyographie) sind in aller Regel nicht nötig und werden nur in seltenen Fällen durchgeführt.[16]

Stellen Ärzte die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls, so sollten immer die Befunde der Bildgebung mit den Befunden der körperlichen Untersuchung und den Beschwerden zusammenpassen.

Behandlung bei Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall kann je nach Situation konservativ, operativ oder multimodal behandelt werden. In etwa 80-90% der Fälle bessern sich die Beschwerden auch ohne OP innerhalb einiger Wochen. Ziel der konservativen Behandlung ist die kurzfristige Linderung der Beschwerden mit Wärme, Schmerzmitteln oder Physiotherapie, um schnellstmöglich zu alltäglicher körperlicher Aktivität zurückzukehren.

In den meisten Fällen können Bandscheibenvorfälle in der Tat konservativ, also ohne eine Operation behandelt werden. [4,27]

Dabei bildet sich oft zwar der eigentliche Bandscheibenvorfall innerhalb dieser Zeit nicht zurĂĽck, aber die Beschwerden lassen dennoch merklich nach. Aus diesen GrĂĽnden wird in der Regel auch zunächst die Behandlung ohne OP empfohlen – es sei denn, es liegen triftige GrĂĽnde fĂĽr eine Operation vor. [4,16]

Ziel der Therapie sollte unabhängig vom Therapieverfahren sein, die Schmerzen in einem angemessenen Zeitraum von einigen Wochen nachhaltig zu bessern. Dies ist relevant, da über mehrere Wochen bis Monate bestehende Schmerzen von Körper und Gehirn regelrecht „erlernt“ werden und im Anschluss schwieriger zu behandeln sind (mehr zur Entstehung von chronischen Rückenschmerzen).[4,28]

Die Gründe, die für die Entscheidung zur Operation führen, erläutern wir im nächsten Abschnitt. In diesem Abschnitt wollen wir darlegen, was Betroffene während einer konservativen Therapie ohne OP für ihre Beschwerdelinderung tun können.

Konservative Therapie bei akutem Bandscheibenvorfall

Wird die Entscheidung zu einer konservativen Therapie getroffen, ist es wichtig, die Betroffenen ausreichend über die Hintergründe der Therapie und Erkrankung zu informieren und zu Aktivität anzuhalten. Denn wie auch bei Rückenschmerzen ohne Bandscheibenvorfall gilt: Wer an einem Bandscheibenvorfall leidet, sollte so schnell es geht wieder zu normaler Aktivität zurückkehren und aktiv werden, statt Bettruhe einzuhalten.[16]

Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen richtet Bewegung keinen Schaden an, (Bett-)ruhe aber führt im ungünstigsten Fall zu einem Schonungsverhalten, welches die Beschwerden verschlechtert. Deshalb wird im Allgemeinen von Bettruhe nach spätestens zwei bis vier Tagen abgeraten.

Auch einfache Methoden wie lokale Wärme können Linderung bringen und die Behandlung unterstützen. [16]

Schmerzmittel, Medikamente und Injektionen

Zur Schmerzlinderung werden in der Regel Schmerzmittel verordnet. Es gibt gute Wirkungsnachweise für die Medikamente der Gruppe der sogenannten NSAR (z.B. Ibuprofen oder Diclofenac). Auch wenn sie rezeptfrei erhältlich sind, sollte ihre Einnahme aber wegen der teils ausgeprägten Nebenwirkungen ärztlich begleitet werden. [16]

Ob Opiate (also stark wirksame Schmerzmittel, wie z.B. Morphin) geeignet sind, akut auftretende Schmerzen im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls zu bessern, ist umstritten.[16] Sollten andere Schmerzmittel nicht ausreichend wirken, werden sie aber bisweilen fĂĽr einen kurzen Zeitraum verordnet- aufgrund der Nebenwirkungen sollte die Einnahme allerdings zeitlich begrenzt werden.[29]

Bei schmerzhaften Muskelverspannungen hilft manchen Betroffenen zusätzlich bisweilen die Einnahme von muskelentspannenden Medikamenten.

Sollte mit diesen Maßnahmen keine ausreichende Besserung erzielt werden, wird oft die Injektion von schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten an die Nervenwurzel, welche vom Bandscheibenvorfall gereizt wird, erwogen. Diese Methode ist im deutschen Sprachraum auch als Periradikuläre Therapie oder Infiltration (PRT oder PRI) bekannt. Inwieweit die PRT beitragen kann, Operationen zu vermeiden oder Schmerzen dauerhaft zu lindern ist umstritten. Allerdings schreiben ihre manche Studien eine kurzfristige Schmerzlinderung zu. [27,30]

Multimodale Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen nach Bandscheibenvorfall

Wenn Schmerzen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls schon mehrere Monate bestehen, sprechen Fachleute von chronischen, also dauerhaften Schmerzen. In Körper und Gehirn hat sich in solchen Fällen bereits ein sogenanntes Schmerzgedächtnis gebildet. In diesem Fall wird häufig (wie auch in der Behandlung von Rückenschmerzen mit unklarer Ursache) die sogenannte multimodale Therapie empfohlen, die das komplexe Krankheitsgeschehen der erlernten Schmerzen in einem großen Team unter der Leitung von Schmerzspezialisten ganzheitlich behandelt.[16,28,31]

Operationen bei Bandscheibenvorfall

Wann eine Operation erwogen werden sollte

Aktuelle Leitlinien empfehlen eine Operation in manchen Fällen unmittelbar als erste Behandlungsalternative.[16,21] Diese Fälle gelten als dringender Grund für eine Operation (absolute Indikation):

  • Zeichen des Drucks der Bandscheibe auf das RĂĽckenmark oder seine Ausläufer (Cauda equina) mit der Symptomatik einer Querschnittslähmung (Lähmung, GefĂĽhlsstörungen)
  • Zeichen fĂĽr eine akut aufgetretene, ausgeprägte Lähmung oder Kraftminderung einzelner Muskeln

Diese Fälle sind verhältnismäßig eher selten. Der überwiegende Teil der Operationen bei Bandscheibenbeschwerden wird daher aus anderen Gründen durchgeführt.

Gemäß Leitlinien gelten Schmerzen, die sich unter konservativer Therapie nicht zureichend bessern, wenn die Symptomatik und Befunde der Untersuchungen zueinander passen, als eine sogenannte relative Indikation.[16,21] Das heißt, dass die Operation hier empfohlen werden kann, aber nicht zwingend notwendig ist.[32]

Die Empfehlungen für eine Operation bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lenden- und Halswirbelsäule bezüglich der Operation sind in den aktuellen Leitlinien ziemlich ähnlich.[16,21]

Der Vorteil einer frühzeitigen Operation bei fortbestehenden Schmerzen liegt mehreren Studien zur Folge darin, dass sich die Schmerzen zunächst bei vielen Patienten rascher bessern als unter einer weiteren Fortsetzung der konservativen Therapie. Im Langzeitverlauf von einem Jahr oder längeren Zeiträumen unterscheiden sich die Beschwerden bei Patienten, die operativ wegen ihres Bandscheibenvorfalls versorgt wurden, nicht wesentlich von denen bei Patienten, die nicht operativ versorgt wurden.[16,33,34]

Patienten, bei denen die Beinschmerzen gegenüber den Rückenschmerzen im Vordergrund stehen oder bei denen Beinschmerzen durch Untersuchungen deutlich auslösbar sind, haben Studien zur Folge eine höhere Chance durch eine Operation eine deutliche Schmerzlinderung zu erfahren.[35,36]

Auch andere Faktoren aus dem Patientenumfeld wie beispielsweise eine vorliegende Depression können Auswirkungen auf das Operationsergebnis haben.[4]

Die gängigsten Operationsmethoden bei Bandscheibenvorfällen

Heutzutage existieren mehrere Operationsmethoden, mit denen ein Bandscheibenvorfall operiert werden kann. Ihnen ist allen das Ziel der Operation gemeinsam: Der Bandscheibenvorfall wird operativ entfernt und die eingeklemmten Nervenanteile entfernt.

Im Wesentlichen werden bei Bandscheibenvorfällen der Lendenwirbelsäule in der Regel Techniken mit minimalen Hautschnitten (mikrochirurgische Techniken, manchmal auch sogenannte endoskopische Verfahren) angewandt. Die einzelnen Verfahren führen in Studien oft zu vergleichbaren Ergebnissen, so dass der Erfahrung des Operateurs mit der einzelnen Technik sowie den individuellen Begebenheiten wie z.B. der Lage des Bandscheibenvorfalls entscheidende Bedeutung bei der Wahl des operativen Verfahrens zukommt.[4]

Operationsbedürftige Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule werden in der Regel mit einer sogenannten mikrochirurgischen Bandscheibenentfernung über einen vorderen Zugang versorgt. Da an der Halswirbelsäule vergleichsweise mehr Bandscheibengewebe entfernt wird, ist es bei diesen Techniken häufig nötig, entweder die entfernte Bandscheibe mit einer Bandscheibenprothese, also einer künstlichen Bandscheibe zu ersetzen, oder die beiden benachbarten Wirbel operativ zu versteifen.[21]

Alternative Operationstechniken kommen je nach Befund und Erfahrung des Operateurs allerdings auch in Frage.

Selbst aktiv werden: Einem (erneuten) Bandscheibenvorfall vorbeugen

Die ergonomische, also rückengerechte Gestaltung des Umfelds, beispielsweise der Einsatz von höhenverstellbaren Tischen am Arbeitsplatz oder von rückengerechten Matratzen werden wie bei ausgeprägten Rückenschmerzen ohne Bandscheibenvorfall empfohlen.[37]

Auch bei Bandscheibenvorfällen gilt Bewegung und Training der Rückenmuskulatur als eine wichtige Maßnahme der Vorbeugung. Nach Operationen, aber auch bei Fällen, die ohne Operation versorgt wurden, gelten Bewegung und Stärkungsübungen als wichtiger Teil der Behandlung.[38,39] Ein wichtiger Nebeneffekt von Übungen und Bewegung bei Bandscheibenvorfällen kann Gewichtsabnahme sein. Experten empfehlen oft auch zu versuchen, das Körpergewicht nach Bandscheibenvorfall in den Normalbereich zu bringen.[4,40]

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Quellen und wissenschaftliche Studien
1: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2312537
2: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1826376
3: https://www.aerzteblatt.de/archiv/61058/Rueckenschmerzen-Der-groesste-Teil-ist-myofaszial-bedingt
4: https://www.thieme.de/de/orthopaedie-unfallchirurgie/der-lumbale-bandscheibenvorfall-109184.htm
5: http://www.patienten-information.de/patientenleitlinien/patientenleitlinien-nvl/html/kreuzschmerz
6: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=12461389
7: https://emedicine.medscape.com/article/1899031-overview
8: https://de.wikipedia.org/wiki/Bandscheibe
9: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18211591
10: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9717634
11: https://amboss.miamed.de/wissen/Bandscheibenprolaps
12: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM193408022110506
13: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8208267
14: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12353946
15: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=8235812
16: https://www.dgn.org/leitlinien/2420-ll-75-2012-lumbale-radikulopathie
17: https://www.spine-health.com/blog/anatomy-herniated-disc
18:  https://www.spine-health.com/conditions/spine-anatomy/all-about-l4-l5-spinal-segment
19: https://www.spine-health.com/conditions/herniated-disc/cervical-herniated-disc-symptoms-and-treatment-options
20: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=rabin+straight-leg+2007
21: https://www.dgn.org/leitlinien/2413-ll-74-2012-zervikale-radikulopathie
22: https://www.nhs.uk/conditions/slipped-disc/symptoms/
23: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/PMH0072656/
24: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/PMH0072656/
25: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2200707/
26: http://www.leitlinien.de/nvl/html/kreuzschmerz/kapitel-3
27: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24239490
28: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=20447871
29: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18725868
30: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24330228
31: http://www.leitlinien.de/nvl/html/kreuzschmerz/kapitel-9
32: https://de.wikipedia.org/wiki/Indikation
33: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17119140
34: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17538084
35: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21225437
36: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=15502690
37: http://www.leitlinien.de/nvl/html/kreuzschmerz/kapitel-8
38: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3275148/
39: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24627325
40: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20347400

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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