Welcher Arzt hilft bei Rückenschmerzen?

Viele Patienten suchen mit ihren Rückenbeschwerden lange Zeit nach dem richtigen Arzt und müssen eine lange Leidensgeschichte durchmachen. In diesem Artikel möchten wir einen Überblick darüber geben, welche Rolle typischerweise gewisse Fachärzte und Spezialisierungen in der Behandlung von Rückenschmerzen spielen.

Denn nicht wenige Ärzte bezeichnen sich als „Rückenspezialisten“– doch wann braucht man wirklich als Patient einen solchen Spezialisten? Und ist der Hausarzt nicht auch geeignet, um Rückenschmerzen zu behandeln? Welche Rolle spielen Physiotherapeuten in der Behandlung von Rückenschmerzen?

Im folgenden Artikel möchten wir näher beleuchten, an wen sich Patienten häufig in welcher Phase der Behandlung wenden können und welche Ärzte bei welchen Schmerzen geeignete Ansprechpartner sind.

Außerdem geben wir hilfreiche Informationen zur Vorbereitung auf den Arzttermin, damit Du aus dem Gespräch mit dem Arzt mit Antworten und nicht nur noch mehr Fragen herausgehst.

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Das Arzt-Patienten-Gespräch liefert die wichtigsten Hinweise auf die Diagnose
Im Gespräch kann der Hausarzt durch gezieltes Fragen eine bösartige, behandlungsbedürftige Ursachen für Rückenschmerzen meist ausschließen

Wann zum Arzt?

Rückenschmerzen sind sehr häufig und haben in der Regel keine gefährliche Ursache. Die allermeisten Ursachen für Rückenschmerzen, die dringend behandelt werden müssten (sogenannte red-flags, also rote Fahnen), können mit einfachen Fragen erkannt werden.[1]

Diese Warnhinweise könnten auf eine zügig behandlungsbedürftige Ursache hindeuten – liegen einer oder mehrere dieser Warnhinweise vor, sollte eine ärztliche Abklärung zügig erfolgen. Allerdings sagt der einzelne dieser Hinweise wenig aus. Das Gesamtbild, das sich für Ärzte bei der Abklärung ergibt, ist entscheidend.[2]

Allerdings ist es insgesamt empfehlenswert, bei allen Rückenschmerzen, die länger als einige Tage bestehen, ärztliche Abklärung zu suchen. Meist sind keine intensiven Behandlungsmaßnahmen erforderlich, doch bedrohliche Ursachen können so früh ausgeschlossen werden.

Welcher Arzt?

Der Hausarzt kann bei akuten Rückenschmerzen in der Erstuntersuchung feststellen, ob eine spezifische Ursache vorliegt. Je nach Ergebnis überweist er Dich anschließend an einen Facharzt (Orthopäden, Neurologen oder Rheumatologen). Gibt es keine Warnzeichen für einen gefährlichen Verlauf, kann der Hausarzt die Behandlung durch einen Physiotherapeuten, Chiropraktiker oder Osteopathen empfehlen.

Welcher Arzt? Wann bei Rückenschmerzen zuständig?
Hausarzt Allgemeinarzt, kann spezifische behandlungsbedürftige Ursachen ausschließen und an Fachärzte oder Behandler weitervermitteln, sowie über die Behandlung von unspezifischen Rückenschmerzen aufklären
Orthopäde Facharzt für spezifische behandlungsbedürftige Ursachen an Knochen und Muskeln
Rheumatologe Facharzt für spezifische behandlungsbedürftige Ursachen wie entzündliche Rückenschmerzen und Autoimmunerkrankungen
Neurologe Facharzt für spezifische behandlungsbedürftige Ursache am Nervensystem (Nervenschädigungen)
Physiotherapeut Kann durch Krankengymnastik und Manuelle Therapie Schmerzen lindern, den aktiven Umgang mit den Schmerzen fördern und zu wirksamem Bewegungstraining anleiden

Hausärzte & Allgemeinmediziner: Die Alleskönner

Für die meisten Patienten ist der Hausarzt die erste Ansprechstation bei nahezu allen Beschwerden – nicht zuletzt, da man sich oft lange kennt und die Wartezeiten auf einen Termin sich in der Regel im Vergleich zu Fachärzten in Grenzen halten. So verwundert es nicht, dass auch ein großer Teil der Patienten mit Rücken- und Nackenschmerzen den Hausarzt als ersten Ansprechpartner wählt. Rücken- und Nackenschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen, warum Patienten den Hausarzt aufsuchen.[3]

Dies ist auch medizinisch durchaus sinnvoll. Denn die allermeisten Fälle von Rückenschmerzen (etwa 8-9 von 10) haben keine dringend behandlungsbedürftige Ursache und brauchen keinen Spezialisten zur Behandlung![4]

Da sich neu beginnende Rücken- und Nackenschmerzen meistens auch ohne aufwändige  Behandlung bessern, werden durch geltende Leitlinien zunächst verhältnismäßig einfache Behandlungen empfohlen.[5] Hierzu gehören z.B. Beratung und Aufklärung des Patienten, Wärmeanwendung oder die kurzzeitige Einnahme von Schmerzmedikamenten. Diese Maßnahmen benötigen in der Regel keinen Arzt mit weitergehender Spezialisierung auf den Rücken.

Dringend behandlungsbedürftige Ursachen (red-flags) können ebenfalls in der Regel bereits durch den Hausarzt ausgeschlossen werden, indem die Krankengeschichte erhoben wird und eine körperliche Untersuchung durchgeführt wird. Daher können in der Tat die meisten Fälle von Rückenschmerzen erfolgreich durch den Hausarzt behandelt werden.

Wenn sich aber durch Warnzeichen für einen gefährlichen Verlauf oder auch ausbleibende Besserung der Verdacht einstellt, dass eine konkrete, behandlungsbedürftige Ursache hinter den Beschwerden steckt, erfolgt oft die (Mit-)Behandlung durch Spezialisten: Meistens handelt es sich um Radiologen, die Bilder des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts erstellen oder Orthopäden.

Überweisung zur Bildgebung des Rückens: Wann man welche Bilder machen sollte

Viele Patienten, etwa die Hälfte der Patienten, die sich in Hausarztpraxen wegen Rückenschmerzen vorstellen, denken, dass bei Rückenschmerzen immer weiterführende Untersuchungen nötig sind. [6] Dabei empfehlen Experten eher das Gegenteil:

Nur wenn aus der erhobenen Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung der Verdacht auf eine behandlungsbedürftige Ursache besteht, werden umfangreichere Untersuchungen nötig.[2]

Wenn aus der Krankengeschichte oder Untersuchung der Verdacht auf sogenannte spezifische Rückenschmerzen besteht, kommen bisweilen die entsprechenden Fachärzte wie Orthopäden oder auch Neurochirurgen zum Zug.  Oft wird allerdings der Verdacht erst mit medizinischen Aufnahmen des betroffenen Rückenabschnitts abgeklärt.

Während viele Orthopäden Röntgenaufnahmen in ihrer Praxis selbst anfertigen können, werden andere medizinische Aufnahmen des Rückens meist von Radiologen angeboten.

Zur weiteren Abklärung von Rückenschmerzen wird im Regelfall eine Röntgenaufnahme oder Kernspintomografie (MRT) durchgeführt.[7] Die Kernspintomografie hat allerdings mehrere Vorteile: Zum einen kann sie die nicht-knöchernen Strukturen der Wirbelsäule wie Nerven oder auch die Bandscheiben genau darstellen. Zum anderen verursacht die Kernspintomografie keine Strahlenbelastung.[8]

Doch Wunderwaffen sind auch Kernspinuntersuchungen nicht: Viele Menschen weisen auf den Bildern Veränderungen der Wirbelsäule auf, welche die Schmerzen oft nicht erklären!

Daher sollten Ärzte die auf Bildern beobachteten Veränderungen stets nur in Zusammenschau mit der Krankengeschichte und den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung beurteilen.[6]

Orthopäden & Neurochirurgen: Die Spezialisten

Spätestens wenn in den Untersuchungen eine behandlungsbedürftige Ursache der Rückenschmerzen festgestellt wird, wie etwa ein Bandscheibenvorfall, erfolgt meistens die Behandlung durch eine dieser beiden Fachrichtungen.

Orthopäden und Neurochirurgen können nur bei Rückenschmerzen mit spezifischer, behandelbarer Ursache wirklich weiterhelfen

Manche Patienten aber ziehen es vor, unabhängig von der Ursache ihre Rückenschmerzen bei einem Orthopäden behandeln zu lassen.[7]

Orthopäden verfügen in der Regel über viel Erfahrung in der Behandlung von in das Bein ausstrahlenden Schmerzen (Ischiasschmerzen) oder Schmerzen des Iliosakralgelenks (ISG-Schmerzen). Viele Orthopäden sind auch in Manueller Medizin geschult und können so eine zusätzliche Behandlungsmethode anbieten.

Was genau Orthopäden allerdings bei Rückenschmerzen zur Behandlung unternehmen, ist allerdings je nach Befund und Qualifikationen des einzelnen Arztes sehr verschieden. Das Spektrum reicht von Spritzen über Akupunktur bis hin zu Operationen und hängt  sehr vom Repertoire des Arztes und den Begebenheiten des Patienten ab.

Sind die Beschwerden durch eine Einengung des Rückenmarkskanals oder Druck auf eine Nervenwurzel wie durch einen Bandscheibenvorfall bedingt, werden sie häufig auch von Neurochirurgen behandelt.

Physiotherapeuten

Aktiv vor passiv: In der Physiotherapie sollte Krankengymnastik gegenüber Massagen bevorzugt werden

Viele Studien und internationale Leitlinien sind sich einig: Vor allem, wenn Rückenschmerzen schon länger als sechs Wochen bestehen, sollte Bewegungstherapie (z.B. Krankengymnastik) Teil der Behandlung sein.[9]

Die Patienteninformation zur geltenden deutschen Leitlinie für Kreuzschmerzen empfiehlt Patienten, gemeinsam mit den behandelnden Physiotherapeuten eine passende Therapieform auszuwählen. Krankengymnastik für den Rücken (Rückentraining) kann auf viele Arten und Weisen durchgeführt werden. Es gibt aber keine sicheren Hinweise, dass eine bestimmte Form der Behandlung die einzig richtig wäre. Die richtige Krankengymnastik sollte Spaß machen, selbst zu erlernen sein und die Muskulatur am Rücken stärken.[9]

Darüber hinaus sind viele Physiotherapeuten in Manueller Therapie geschult. Bei dieser Behandlungsform wird durch die Einwirkung der Hände des Therapeuten auf den Rücken eine schmerzlindernde Wirkung erzielt.[10]

Ein wichtiger Grundsatz gilt aber auch in der Behandlung durch Physiotherapeuten: Aktiven Behandlungen, die dem Patienten ermöglichen, selbst etwas gegen seine Beschwerden zu unternehmen, sollte immer der Vorzug gegeben werden.  Daher ist gerade Bewegungstherapie so wichtig.

Das Arzt-Patienten-Gespräch: Gut vorbereitet

Wenn die Wahl auf einen der zuvor vorgestellten Behandler gefallen ist und der Arzttermin ansteht, ist es durchaus sinnvoll, sich als Patient vorab auf das Arzt-Patienten-Gespräch vorzubereiten. Ärzte haben oftmals wenig Zeit. Daher ist es von Vorteil sich vorab zu überlegen, welche Fragen man stellen möchte, um alle wichtigen Aspekte zu den Ursachen und für die Behandlung anzusprechen.

Die Patienteninformation zur Leitlinie für die Behandlung von Kreuzschmerzen gibt eine Übersicht über die wichtigsten Fragen, die der Arzt dem Patienten und der Patient dem Arzt stellen könnte:[11]

Das könnte Dich Dein Arzt fragen Das könntest Du deinen Arzt fragen
Zu Deinen Beschwerden Zu Behandlungsmöglichkeiten allgemein
•        Wo haben Sie Schmerzen? Strahlen sie aus?

•        Wann sind Ihre Beschwerden erstmalig aufgetreten? Haben Sie in der Vergangenheit schon mal Kreuzschmerzen gehabt?

•        Haben Sie eine Schwäche von Muskeln oder Gefühls-störungen an den Beinen bemerkt?

•        Wann sind die Beschwerden stärker oder schwächer?

•        Wie ist der zeitliche Verlauf der Schmerzen (tagsüber, nachts)?

•        Haben sich die Schmerzen in den letzten Tagen/Wochen/ Monaten verändert?

•        Wie stark sind die Schmerzen? Schränken Sie sie bei täglichen Verrichtungen ein?

•        Wie sind Sie bisher behandelt worden?

·         Leiden Sie an einer psychischen Erkrankung, etwa einer Depression? Haben Sie Stress, Ängste oder fühlen sich häufig angespannt/überarbeitet?

 

•        Welche Behandlungsmöglichkeiten für Kreuzschmerzen gibt es? Welche kommen für mich in Frage?

•        Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren?

•        Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen?

•        Wie lange dauert die Behandlung

•        voraussichtlich?

•        Wann und wie oft muss ich wiederkommen?

•        Bin ich danach geheilt?

•        Was können Angehörige und Familie beitragen?

•        Wie kann das Risiko verringert werden, dass die Schmerzen nach der Behandlung wiederkommen?

•        Wie kann ich meine Beschwerden im Alltag positiv be-einflussen?

•        Welche Maßnahmen können mir dabei helfen?

•        Wo gibt es in meiner Nähe Rückenschulen/Selbsthilfe-gruppen?

Zu Deinen Medikamenten Zur Einnahme von Medikamenten
·         Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? (Wenn ja, welches Präparat und in welcher Dosis?)

·         Haben Sie früher schon einmal Schmerzmittel genommen? Welches Medikament hat Ihnen gut geholfen?

·         Gibt es Medikamente, die Sie nicht vertragen?

·         Sind bei Ihnen Erkrankungen der Leber oder der Nieren bekannt?

·         Wie lange muss ich die Medikamente einnehmen?

·         Was sind mögliche Nebenwirkungen (besonders bei Einnahme über einen längeren Zeitraum)?

·         Mit welchen Folgen ist zu rechnen, wenn ich lieber weniger Medikamente nehmen möchte oder die Einnahme einmal vergesse?

·         Wann sollte sich spätestens eine Wirkung der Medikamente zeigen?

Schmerztherapeuten und multimodale Therapie

Viele Patienten, die an länger dauernden Rückenschmerzen leiden, haben bereits einen langen Leidensweg hinter sich und oft viele Ärzte in die Behandlung eingebunden.

Experten verstehen unter sogenannten chronischen Rückenschmerzen alle Schmerzen, die länger als drei Monate ohne Unterbrechung bestehen und die Betroffenen entsprechend stark in ihrer Lebensqualität einschränken.[12]

Häufig ist die Behandlung bei länger bestehenden Schmerzen für Betroffene unbefriedigend. Denn wenn Rückenschmerzen länger bestehen, bildet sich in Körper und Gehirn ein regelrechtes Schmerzgedächtnis.[13]

Ungeachtet dessen wird bei chronischen Rückenschmerzen oft eine rein körperlich orientierte Behandlung durchgeführt, teilweise auch mit immer stärkeren Schmerzmitteln oder Operationen.[14]

Experten empfehlen dagegen in den aktuellen Leitlinien, bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen an mehreren Stellen gleichzeitig anzusetzen um das Schmerzgedächtnis aktiv beeinflussen zu können. 15

Die Experten hierfür sind in der Regel Schmerztherapeuten, die oft auch eine sogenannte multimodale Schmerztherapie einleiten. Im Rahmen solcher Therapien wird in einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und oft auch anderen Berufsgruppen die komplexe Ursache von Rückenschmerzen angegangen.

Fazit: Arztwahl eine Frage des Timings und der Beschwerden

Die Frage, welcher Arzt denn nun der richtige bei der Behandlung von Rückenschmerzen ist, kann nicht pauschal beantwortet werden, denn die Antwort richtet sich immer nach der Zeit, wie lange die Beschwerden schon bestehen, ob red-flags vorliegen und welche ärztliche Untersuchungen bereits stattgefunden haben.

Bei neu auftretenden, akuten Rückenschmerzen ist der Hausarzt ein guter Ansprechpartner. Ziel dieses Termins sollte es sein, eine unwahrscheinliche bedrohliche Ursache für den Schmerz auszuschließen. Bei spezifischen, behandelbaren Ursachen sind Orthopäden und Neurochirurgen die richtigen Ansprechpartner. Physiotherapeuten können mit Manueller Therapie helfen und den Einstieg in ein aktives, selbstständig durchgeführtes Rückentraining begleiten.

Bei chronischen und unspezifischen Rückenschmerzen, also wenn die Schmerzen lange anhalten und keine eindeutige körperliche Ursache gefunden werden konnte, kann auch sehr gut ohne ärztliche Aufsicht die Behandlung der Rückenschmerzen zuhause durchgeführt werden.

Die zertifizierte Medizin-App Kaia erstellt ein individuelles Rückentraining zur Stärkung und Mobilisation der stabiliserenden Rückenmuskulatur und begleitet täglich mit Rückenübungen, Entspannungsübungen und der Vermittlung von Wissenseinheiten für eine unkomplizierte, ganzheitliche und wirksame Behandlung von Rückenschmerzen.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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