Schmerzmittel bei Rückenschmerzen

Schmerzmittel bei Rückenschmerzen

Ob nun in Tablettenform, als Tropfen oder auch örtlich angewendet als Creme: Schmerzmittel sind für viele Menschen Teil der Behandlung bei Rückenschmerzen.

Dabei gibt es die verschiedensten Ansätze: Manche Menschen behandeln sich selbst mit verschreibungsfrei erhältlichen Medikamenten aus der Apotheke wegen kurzzeitiger (akuter) Beschwerden, andere wieder bekommen von Ärzten starke Schmerzmittel verordnet als Teil einer Therapie von schweren Dauerbeschwerden.

Deshalb lassen sich auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Schmerzmitteln in der Behandlung von Rückenschmerzen nicht leicht über einen Kamm scheren- es gibt einfach viele verschiedene Schmerzmittel und Rückenschmerzen sind in sich auch einfach verschieden.

Dennoch möchten wir im folgenden einen Überblick geben über verschiedene der häufiger bei Rückenschmerzen eingesetzten Schmerzmittel.

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Schmerzmittel bei Rückenschmerzen: Was ist zu beachten?

Die Behandlung von Rückenschmerzen mit Medikamenten ist natürlich einfach durchzuführen- und viele Medikamente sind auch verschreibungsfrei zu bekommen. Und doch sollte eine Medikamententherapie bei Schmerzen nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Selbstverständlich sollte jede, vor allem länger dauernde Medikamenteneinnahme ärztlich begleitet werden und einige Grundsätze der aktuellen Leitlinien beachtet werden. [1]

Das beginnt schon bei der Auswahl des Medikaments, die auf die persönliche Krankengeschichte, Begleiterkrankungen und Allergien abgestimmt sein sollte.

Die Auswahl des Medikaments sollte auf die persönliche Krankengeschichte abgestimmt sein.

Insbesondere, wenn bereits andere Medikamente eingenommen werden sollten, ist die sorgfältige Abstimmung auf Wechselwirkungen mit den anderen Medikamenten zu beachten. [2]

Zum einen sollte man sich im Klaren sein, dass Medikamente allenfalls unterstützend wirken, aber als alleinige Therapie Rückenschmerzen nicht heilen können. [3]

Daher sollte man eine medikamentöse Therapie auch mit realistischen Zielen und Erwartungen beginnen und die Medikamente in der geringsten nötige Dosierung für so kurz wie möglich einnehmen.

Im Idealfall wird die Medikamenteneinnahme regelmäßig auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen überprüft- und wenn sie nicht mehr nötig ist, sollte sie beendet werden.

Ibuprofen, Paracetamol und Co: rezeptfreie Schmerzmittel

In den meisten Ländern sind einige Schmerzmittel ohne Rezept in Apotheken erhältlich. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch diese Medikamente durchaus ernstzunehmende Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben.

Daher sollte die Einnahme auch rezeptfreier Arzneimittel aufgrund von Rückenschmerzen nicht auf die leichte Schulter genommen werden und so kurz gehalten werden wie möglich. Im Idealfall wird die Einnahme durch Arzt oder Apotheker begleitet.

Ibuprofen & Paracetamol - beliebte Schmerzmittel bei Rückenschmerzen
Ibuprofen, Paracetamol & co. sind beliebte Schmerzmittel bei Rückenschmerzen, jedoch nicht frei von Nebenwirkungen.

 

Schmerzmittel aus der Klasse der sogenannten NSAR: verhältnismäßig gut erprobt

Zu dieser Gruppe von Medikamenten gehören gut bekannte Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder auch Diclofenac. Sie haben alle eine ähnliche schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung. [4]

Bei Rückenschmerzen wirken sie in der Tat zumindest kurzfristig oft schmerzlindernd und bessern die Beweglichkeit  und stellen daher, wenn keine medizinischen Gründe gegen ihre Einnahme sprechen, oft die Medikamente der ersten Wahl dar. [5]

Hinweis:
Wegen Ihrer zum Teil bedenklichen Nebenwirkungen im Bereich des Magen-Darm-Trakts oder auch der Nieren sollten Medikamente aus dem Bereich der NSAR nur so kurz wie nötig eingenommen werden- und die Einnahme ärztlich begleitet werden. [6]

Gegebenenfalls können gegen manche der Nebenwirkungen auch schützende Maßnahmen ergriffen werden, wie beispielsweise die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten, welche die Magensäureproduktion unterdrücken. Diese Mittel können die Nebenwirkungen im Bereich des Magen-Darm-Trakts reduzieren. [7]

Paracetamol: Wegen schwacher Wirkung und Nebenwirkungen sehr umstritten

Traditionell nimmt auch Paracetamol in der Schmerztherapie bei Rückenschmerzen einen gewissen Stellenwert ein, zumal es sich um ein gut bekanntes und rezeptfrei erhältliches Medikament handelt.

Neue Untersuchungen allerdings weisen darauf hin, dass Paracetamol bei akuten Rückenschmerzen insgesamt nicht besser wirkt als eine Scheinbehandlung und dass auch bei länger bestehenden Rückenschmerzen keine eindeutigen Hinweise bestehen, dass das Medikament die Schmerzen tatsächlich lindert. [8]

Auch die traditionelle Behauptung, dass Paracetamol wenig Nebenwirkungen aufweise, erscheint wissenschaftlich zunehmend umstrittener. [9]

Daher empfehlen auch neue Leitlinien nicht mehr, Rückenschmerzen mit Paracetamol zu behandeln. [1] 

Verschreibungspflichtige Alternativen: COX-2 Hemmer oder Metamizol

Wirken besser erprobte Mittel gegen Kreuzschmerzen nicht ausreichend oder werden sie nicht vertragen, so stellen laut aktuellen Leitlinien diese Medikamente Alternativen dar. [2]

Sogenannte COX-2 Hemmer wirken in Studien auch schmerzlindernd gegen Kreuzschmerzen, sind aber in Deutschland zur Behandlung von Kreuzschmerzen nicht zugelassen. Gerade wegen ihrer Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem sollten sie nur ausgewählten Patienten von Ärzten verordnet werden. Dies gilt vor allem bei Erkrankungen, die außerhalb des eigentlichen Zulassungsbereichs liegen (sogenannter„off-label-use“)- wie eben bei Kreuzschmerzen.[2]

Ähnliches gilt für Metamizol, ein vergleichsweise stark wirksames Schmerzmittel. Es ist für schwere Schmerzen zugelassen, aber wegen seiner seltenen, aber bedrohlichen Nebenwirkungen mit einer Hemmung der Bildung wichtiger weißer Blutkörperchen sollte es nur zurückhaltend eingesetzt werden- z.B, wenn andere Anzneimittel nicht ausreichend wirken oder nicht zur Verfügung stehen. [1]

Äußerlich auftragbare Schmerzmittel: Cremes und Salben

Äußerlich auftragbare Medikamente wie Cremes werden von vielen Betroffenen gerne angewandt.

Beliebt sind zum Beispiel Cremes mit Capsaicin, dem Wirkstoff des Cayennepfeffers. Sie sollen die Durchblutung am Ort der Anwendung fördern und so schmerzlindernd wirken. Auch bei Schmerzen durch Nervenreizung wird der selbe Wirkstoff in Form eines Pflasters verwendet. [10]

In der Tat zeigen erste Studien Hinweise darauf, dass Cremes mit Capsaicin wirklich gegen Rückenschmerzen helfen können. [1]

Schmerzlindernde und abschwellende Wirkung wird auch Salben aus dem Kraut Beinwell nachgesagt. Allerdings fehlt hier gemäß Leitlinien noch ein zuverlässiger Wirknachweis. [1]

Für Cremes mit medikamentösen Wirkstoffen aus der Gruppe der NSAR, wie z.B. Diclofenac Gele gibt es keine zuverlässigen Wirknachweise bei Rückenschmerzen- allerdings sind teils ausgeprägte Nebenwirkungen bekannt, weshalb Cremes mit NSAR als Wirkstoffen bei Rückenschmerzen nicht eingesetzt werden sollten. [1,11,12]

Cremes & Salben sind beliebte Schmerzmittel bei Rückenschmerzen
Für die vielen Cremes und Salben gibt es bei Rückenschmerzen keinen wissenschaftlichen Wirkungsnachweis.

Pflanzliche Schmerzmittel gegen Rückenschmerzen

Bei vielen Menschen sind pflanzliche Medikamente sehr beliebt. Zwei pflanzliche Präparate werden in der Tat auch schon in den aktuellen Leitlinien erwähnt.

Medikamente auf Basis der Weidenrinde enthalten mehrere Wirkstoffe, von denen manche dem Wirkstoff von Aspirin ähnlich sind.

Gemäß den Leitlinien stellt Weidenrinde tatsächlich im Rahmen eines gesamten Behandlungskonzepts eine Option vor allem zu kurzzeitigen Behandlung bei Rückenschmerzen dar und wurden bereits wissenschaftlich untersucht. [13,14]

Obwohl es ein pflanzliches Präparat ist, sollten allerdings die Nebenwirkungen und Gegenanzeigen beachtet werden – sie sind denen des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure recht ähnlich.

Präparate auf Basis der Teufelskralle stellen ebenfalls vergleichsweise gut untersuchte pflanzliche Schmerzmedikamente dar. Sie sind aber für Kreuzschmerzen nicht zugelassen und daher laut Leitlinien nicht empfehlenswert. [1]

Beide Mittel werden aktuell nicht von gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erstattet.

Opioide: Wenn andere Medikamente nicht helfen

Wenn andere Schmerzmittel nicht ausreichend helfen, können gemäß den Leitlinien auch sogenannte Opioide zum Einsatz kommen.[2] Diese vergleichsweise starken Medikamente gelten allerdings auch als nebenwirkungsreich und sollten daher Fällen vorbehalten bleiben, in denen andere Medikamente nicht zureichend wirken oder nicht eingesetzt werden können.

Es gibt Hinweise, dass Opioide bei Rückenschmerzen die Beschwerden bessern können, allerdings gilt das vor allem bei chronischen Rückenschmerzen, die schon länger bestehen. Bei kürzer dauernden Beschwerden ist wenig über die Wirkung dieser Schmerzmittel bekannt.[15]

Wegen der Nebenwirkung und des Abhängigkeitspotenzials sollten Opioide immer nur so kurz wie nötig eingenommen werden– und wenn sie im Rahmen einiger Wochen keine adäquate Besserung bringen wieder abgesetzt werden.[16]

Opiat-Schmerzmittel gibt es auch in Pflasterform. Diese Pflaster geben zwar den Wirkstoff langsam ab und erzielen so eine kontinuierliche Wirkung, doch kann diese daher auch länger als gewünscht anhalten. Deshalb sollten sie wenn überhaupt nur bei chronischen Rückenschmerzen eingesetzt werden.[1]

Weil auch Opioide Rückenschmerzen nicht heilen können, sondern nur eine Unterstützung sind, sollten sie vor allem bei lange bestehenden Schmerzen immer auch Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes sein.[16]

Andere Schmerzmittel: nur in besonderen Fällen empfehlenswert

Nur in seltenen Fällen sind andere Medikamente zur Behandlung von Rückenschmerzen notwendig und empfehlenswert. [2]

Prinzipiell gibt es weitere Medikamente, die Schmerzmittel unterstützen können, aber keine Schmerzmittel im eigentlichen Sinne sind: sogenannte Co-Analgetika. Diese Medikamente haben aber in der Behandlung von Rückenschmerzen in der Regel wenig Wirkungsnachweise. [1]

So werden beispielsweise Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden mitunter auch in der Schmerztherapie eingesetzt. Diese sogenannten Antidepressiva scheinen auf Rückenschmerzen Studien zur Folge keinen klaren Effekt zu haben. Daher sollten sie nur verordnet werden, wenn neben den Rückenschmerzen auch eine Depression oder ausgeprägte Schlafstörung besteht. [1,17]

Auch Medikamente, die eigentlich für die Behandlung von Krampfanfällen entwickelt wurden, sogenannte Antiepileptika, werden zur Schmerzbehandlung eingesetzt. Bei reinen Kreuzschmerzen ohne Ausstrahlung gibt es wenig überzeugende Hinweise für ihre Wirksamkeit. Allenfalls bei Schmerzen, die nach Einschätzung von Fachleuten durch eine Nervenreizung bedingt sind, gibt es Hinweise auf die Wirksamkeit und eine Therapie kann im Einzelfall versucht werden. [1,18]

Auch Medikamente, die in erster Linie über eine Entspannung von Muskeln wirken, werden von den aktuellen Leitlinien kritisch gesehen. Während sie möglicherweise allenfalls eine kurze Schmerzlinderung bei akuten Schmerzen bringen können, stehen dieser Wirkung relativ ausgeprägte Nebenwirkungen entgegen. Daher empfehlen aktuelle Leitlinien, von der Therapie mit diesen Medikamenten in der Regel absehen[1,18]

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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