Rückenbehandlungen

Welche Rückenbehandlungen gibt es?

Bevor wir uns damit beschäftigen, wann welche Behandlung eine wirksame Linderung von Rückenschmerzen verspricht,  wollen wir uns kurz einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsalternativen verschaffen. Falls Du Dich näher über eine der Behandlungen informieren möchtest gelangst Du hier außerdem jeweils zu ausführlicheren Informationen:

Wann ist welche Rückenbehandlung angebracht?

Die effektive Behandlung von Rückenschmerzen richtet sich nach der Ursache und der Lage der Beschwerden.

Kreuzschmerzen (also tiefsitzende Rückenschmerzen) liegen dann vor, wenn die Schmerzen unterhalb des Rippenbogens liegen, aber oberhalb der Gesäßfalte. 1,2 Darüber liegen Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule und Nackenschmerzen.

Die Behandlung und ärztliche Untersuchung von Kreuzschmerzen und Nackenschmerzen hat zwar gemeinsame Grundregeln, aber ist nicht identisch. 3,4

Im folgenden Artikel wollen wir die gängigsten Behandlungsalternativen für Rückenschmerzen und die aktuellen Erkentnisse über ihre Wirksamkeit vorstellen.

Therapien bei Rückenschmerzen ohne behandelbarer Ursache

Ob Kreuzschmerzen oder Nackenschmerzen: Wer an ausgeprägten Beschwerden leidet, wünscht sich oft nichts sehnlicher, als die Ursache aus der Welt zu schaffen.

Doch eines vorweg: Das Übel am Rücken an der Wurzel zu packen und eine konkrete Ursache zu behandeln, ist meistens nicht möglich. 7,8

Es mag überraschen, dass auch die moderne Medizin nicht im Detail die Ursachen solcher Beschwerden ausfindig machen kann.

Doch werden mindestens 85-90% der Kreuzschmerzen von Fachleuten der Gruppe der sogenannten unspezifischen Rückenschmerzen zugeordnet- also den Schmerzen denen keine Ursache zugrunde liegt, die erfolgreich behandelt werden könnte. 9

Das mag unbefriedigend klingen, sollte aber für Betroffene ein Grund zur Freude sein.

Denn nicht etwa zu wenige Untersuchungen sind dafür verantwortlich, dass Rückenschmerzen meiste keine eindeutige Ursache haben- sondern die einfache Tatsache, dass meistens eher Funktionsstörungen als eindeutig feststellbare Krankheiten Grund der Schmerzen sind. 3

 Die deutlich selteneren Fälle, in denen sich eine behandlungsbedürftige Ursache hinter den Beschwerden verbirgt, werden als spezifische Rückenschmerzen bezeichnet.

Auch bei Nackenschmerzen gelten konkret behandelbare Ursachen der Beschwerden als eine Seltenheit. 10

Mittels einer körperlichen Untersuchung und dem Arzt-/Patientengespräch können Ärzte in der Regel bereits einen guten Eindruck gewinnen, ob der Verdacht auf eine behandelbare Ursache der Schmerzen besteht. 11

 Für Betroffene ist das zunächst eine gute Nachricht: Auch bei ausgeprägten Rückenschmerzen ist beispielsweise ein Bandscheibenvorfall deutlich eher die Ausnahme als die Regel.

Weil für die einzelnen Ursachen von sogenannten spezifischen Rückenschmerzen die Behandlung jeweils sehr verschieden ist, werden wir im Folgenden vor allem die Behandlung unspezifischer Rückenschmerzen erläutern.

Akute Rückenschmerzen: Weniger ist oft mehr

Neu aufgetretene Rückenschmerzen werden von Fachleuten als akute Rückenschmerzen eingeordnet- was bei Kreuzschmerzen die ersten sechs Wochen der Beschwerden umfasst. 1

Neu aufgetretene Beschwerden im Bereich des Rückens haben in der Regel eine gute Prognose. Die Chancen, dass sie sich unabhängig von einer bestimmten Behandlungsmethode bessern, stehen sehr gut. 12

Deshalb fordern Experten in den ersten Wochen neu aufgetretener Kreuz-, aber auch Nackenschmerzen, die Behandlung auf wenige, einfache Methoden zu beschränken. 13

Denn bei den meisten Verfahren, die mit Gewebeverletzung einhergehen (wie etwa Spritzentherapien) gibt es aus Sicht von Wissenschaftlern keine überzeugenden Beweise für deren Wirksamkeit bei der großen Mehrheit der „einfachen“ Rückenschmerzen. 14

Aus diesem Grund wird die Behandlung mit solchen vergleichsweise intensiven Verfahren auch durch geltende Leitlinien nicht empfohlen.

Ein zentraler Baustein der Behandlung: Die Hintergründe kennen

Rückenschmerzen sind ein sehr häufiger Anlass für Arztbesuche.

Viele Betroffene empfinden trotzdem leider, dass beim Auftreten von Rückenschmerzen wenig Hintergrundwissen über die Hintergründe wie Ursachen oder passendes Verhalten durch ihre Ärzte vermittelt wird.

Natürlich wünscht sich jeder Patient, über die Hintergründe seiner Beschwerden gut informiert zu sein- doch gerade bei Kreuzschmerzen geht es noch um viel mehr als seine Neugier zu stillen. 15

Patienten, die strukturiert über die Hintergründe von Rückenschmerzen Bescheid informiert werden, haben bessere Heilungschancen. 16

 Deshalb sollte eigentlich jeder Betroffene über die Hintergründe, die Heilungschancen aber auch über die Möglichkeiten, selbst bei Rückenschmerzen aktiv zu werden, bescheid wissen.

Grundsatz der Behandlung: Aktiv vor Passiv

Meistens liegen Rückenschmerzen eben keine bedrohlichen Ursachen zugrunde, die durch Ärzte beseitigt werden müssen, sondern Funktionsstörungen eines intakten Rückens. 17

Gerade Betroffene, die sich um eine bedrohliche Ursache sorgen und deshalb aus Angst vor einer Verschlechterung ihrer Rückenschmerzen schonen, haben leider schlechtere Heilungschancen. 18,19

Nicht zuletzt deshalb gilt als eine wichtige Verhaltensregel, sich so bald wie möglich wieder zu bewegen– am besten so wie vor Beginn der Beschwerden.

Denn während unser natürlicher Impuls bei Schmerzen die Schonung ist, bessert genau das Gegenteil nämlich die Bewegung in der Regel die Beschwerden! 20

Im Umkehrschluss solltest Du auf keinen Fall das Bett hüten, denn Bettruhe wirkt sich sehr negativ auf den Verlauf der Beschwerden aus.21

Je länger die Beschwerden bestehen, desto wichtiger wird es, auch mit Bewegungstherapie aktiv zu werden. Gerade bei länger als sechs Wochen anhaltenden Beschwerden gilt Bewegungstherapie als zentraler Baustein der Behandlung. 18,22

Medikamentöse Behandlung

Medikamente werden oft zur Behandlung von Rückenschmerzen eingesetzt- und selbstverständlich können viele auch tatsächlich die Beschwerden lindern.

Als erste Option werden oft frei verkäufliche Medikamente, die nicht der Verschreibungspflicht unterliegen schon von Betroffenen selbst eingesetzt.

 Bei Rückenschmerzen wirken sie in der Tat zumindest kurzfristig schmerzlindernd.

Allerdings sollten sie wegen Ihrer zum Teil bedenklichen Nebenwirkungen im Bereich des Magen-Darm-Trakts oder auch der Nieren nur so kurz wie nötig eingenommen werden- und die Einnahme dieser Medikamente ärztlich begleitet werden. 26

 Darüber hinaus gibt es auch stärker schmerzlindernde und verschreibungspflichtige Medikamente, die vor allem zur Behandlung länger anhaltender Rückenschmerzen verordnet werden.

Insgesamt aber sollte man sich im Klaren sein, dass Medikamente keine Wunderdrogen sind, welche die Ursache von Rückenschmerzen bekämpfen.

Medikamente werden empfohlen, um wieder in Bewegung zu kommen. Aber sie sollten im Idealfall immer auch Teil eines gesamten Therapiekonzepts sein, bei dem auch Betroffene selbst aktiv zum Einsatz kommen.

Die Behandlung zusätzlich unterstützen: Andere Maßnahmen

Zusätzlich zu den oben genannten Verfahren können Betroffene natürlich mit Wärme, etwa durch Bäder, Wärmeflaschen oder auch Wärmecremes selbst tätig werden und oft sehr wirkungsvoll Beschwerden lindern. 27

Speziell darauf geschulte Physiotherapeuten und Ärzte bieten oft eine sogenannte Manipulationstherapie (auch oft Chirotherapie oder Manuelle Therapie genannt) an.

Im Rahmen dieser Behandlung können durch spezielle Handgriffe manche der Funktionsstörungen der Wirbelsäule wie Blockierungen oder Verspannungen zielgerichtet behandelt werden.  28

Gerade im Zusammenspiel mit Bewegungstherapie ist die Manuelle Therapie wohl noch wirkungsvoller. 29

Dadurch wird einmal mehr unterstrichen: Vor allem gutes Wissen um die Hintergründe und ein aktiver Umgang mit den Schmerzen wie durch die richtige Bewegung sind meistens die Eckpfeiler der Behandlung. 30