Exazerbation bei COPD

Exazerbation bei COPD kann zu Notfällen führen.

Was genau ist eine COPD-Exazerbation?

Den Begriff „Exazerbation“ oder „akute Verschlechterung“ haben viele COPD-Patienten schon einmal gehört.

Gemäß offiziellen Leitlinien versteht man darunter eine akute, über mindestens zwei Tage andauernde Verschlechterung der Atemfunktion im Rahmen der Grunderkrankung COPD.

Das heißt, Ärzte sprechen von einer Exazerbation, wenn der Zustand eines COPD-Patienten akut (also deutlich spürbar) schlechter ist als gewohnt.

Dieser Akutzustand kann mehrere Ursachen haben. Das kann ein Atemwegsinfekt sein oder eine vermehrte Schleimproduktion der Atemwege. Dadurch werden die Atemwege verengt und so die Leistungsfähigkeit der ohnehin schon geschädigten Lunge weiter beansprucht.

COPD Exazerbationen können zu ernsten Notfällen führen.
In manchen Fällen ist bei einer Exazerbation der Einsatz eines Krankenwagens notwendig.

Die Exazerbation kann, je nach Schweregrad, entweder ambulant oder stationär behandelt werden – dazu mehr in den folgenden Abschnitten. [1]

Was verursacht Exazerbationen?

In über 80% der Fälle sind Infektionen der Atemwege als Auslöser für eine Exazerbation verantwortlich. [2]

Diese Infektionen werden durch Erreger verursacht. Diese Erreger sind häufig entweder Viren oder Bakterien, es können jedoch auch Mischinfektionen mit beiden Arten von Erregern vorkommen. Häufig sind z.B. Lungenentzündungen durch Pneumokokken oder Grippeviren. [3]

Dies kommt gehäuft in den kalten Herbst- und Wintermonaten vor. Daher sollten COPD-Patienten in dieser Zeit besonders darauf achten, sich gegen die gängigsten Erreger impfen zu lassen.

 Außerdem sollte man vermehrt auf Hygienemaßnahmen wie z.B. häufiges Händewaschen achten. 

Darüber hinaus kann es noch, je nach Patient, genetisch bedingte Ursachen für eine COPD-Exazerbation geben. Diese sind jedoch deutlich seltener.

Woran erkenne ich eine exazerbierte COPD? 

Die Exazerbation der COPD äußert sich durch eine akute Verschlechterung der Atemfunktion. Dabei wird sie in leicht, mittel und schwer eingeteilt.

Im Einzelnen kann sich dies z. B. durch eine Zunahme der Symptome wie Kurzatmigkeit, Husten oder der Menge des Schleims, der eventuell abgehustet wird, äußern [1, 4]. Auch eine vermehrte Trübung oder gelbliche Verfärbung des Schleims kann ein Anzeichen sein.

Mehr Husten kann auch eine COPD Exazerbation deuten
Verstärker Husten kann ein Zeichen für eine exazerbierte COPD sein

COPD-Patienten müssen also besonders achtsam sein, wenn die Atmung stärker als normal eingeschränkt ist oder mehr Husten oder Schleim auftritt. Besteht der Verdacht, dass der Zustand im Moment bedeutend schlechter als normal ist, sollte man besser einen Arzt kontaktieren.

Weiterhin können noch schwerwiegendere Symptome auftreten. Diese sind zum Beispiel eine erhöhte Atemfrequenz, Brustenge, Ausbildung von Ödemen und sogar Bewusstseinseinschränkung [4]Dies sind akute Warnsignale!

Wie muss ich mich im Falle einer Exazerbation verhalten?

Leichte Exazerbationen werden häufig von den Patienten selbst mit den verschriebenen Notfallmedikamenten behandelt. Das können zum Beispiel sogenannte kurzwirksame Bronchodilatatoren sein. [1]

Inhalatoren zur Behandlung von Exazerbationen.
Leichte Exazerbationen können von Patienten zuhause behandelt werden – mit den Notfallmedikamenten, die der Arzt verschrieben hat.

Bei mittelschweren bis schweren Exazerbationen sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, da diese meist selbst durch geschulte Patienten nicht beherrschbar sind. Außerdem können sie lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen. [4]

 Im Zweifelsfall ist es also besser, seinen Arzt zu kontaktieren. 

Wie kann ich Exazerbationen vermeiden?

Eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung von Exazerbationen besteht in der Reduktion von Risikofaktoren:

Folgendes können alle COPD-Patienten selber unternehmen
  • Raucher mit einer COPD sollten das Rauchen aufgeben [5]
  • Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken sind eine dringende Empfehlung, um Atemwegsinfektionen vorzubeugen [4]
  • Generelle Hygienemaßnahmen wie häufiges Händewaschen, vor allem in den Wintermonaten
  • Außerdem sollten Patienten genügend und über den Tag verteilt trinken. Dadurch wird die Verflüssigung des Bronchialschleims gefördert. Dieser kann so leichter abgehustet werden kann.

Weiterhin können auch Atem- und Kräftigungsübungen für die Atemmuskulatur hilfreich sein. Diese verbessern die körperliche Leistungsfähigkeit und die Lungenfunktion [6].

Frage Deinen Arzt oder die Krankenkasse nach solchen Programmen. Auch die Kaia COPD App bietet nützliche Übungen, die Patienten direkt zu Hause durchführen können.

Weiterhin dienen die regulären Medikamente der Basistherapie der COPD bereits der Vorbeugung von Exazerbationen.

Bei häufigen Exazerbationen verschreiben Ärzte oft auch entzündungshemmende Medikamente wie z.B. Kortison oder auch nicht-kortisonhaltige Präparate. Sie können eingesetzt werden, um die Wahrscheinlichkeit einer entzündungsbedingten „Überbeanspruchung“ der Atemwege zu verringern.

Einige Studien konnten einen positiven Effekt einer prophylaktischen Gabe von Antibiotika zeigen. Insgesamt sind dazu jedoch noch weitere Studien notwendig. Die routinemäßige Einnahme schleimlösender Medikamente ist ebenfalls umstritten [7].

Wie häufig sind Exazerbationen?

Ob und wie oft an COPD Erkrankte eine Exazerbation erleiden ist sehr vom individuellen Krankheitsverlauf und -stadium abhängig.

Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass die Wahrscheinlichkeit für Exazerbationen zunimmt, je schwerer die Grunderkrankung COPD ausgeprägt ist. Die Wahrscheinlichkeit für zwei oder mehr Exazerbationen pro Jahr liegt gemäß einer Studie bei [8]:

Patienten mit COPD Stadium 2 22%
Patienten mit COPD Stadium 4 47%

Mehr über die verschiedenen Gold-Stadien kannst Du hier nachlesen:

 

Für alle Stadien der COPD lässt sich jedoch feststellen, dass das Auftreten von Exazerbationen bei den Patienten wahrscheinlicher ist, die bereits eine solche Akutsituation erlitten haben. Besser sieht es bei denen aus, die bisher keine Exazerbation erfahren haben [8].

Daraus kann gefolgert werden, dass eine bestehende Exazerbation das Risiko erhöht, in naher Zukunft wieder eine Exazerbation zu erleiden.

Wie wirken sich Exazerbationen auf den Krankheitsverlauf aus?

In höheren Stadien nimmt die Frequenz der Exazerbationen zu. Das ist durch die zunehmende Abnahme der Lungenfunktion und eine weitere Leistungseinschränkung bedingt. [4]

Häufiges Auftreten von Exazerbationen wirkt sich wiederum negativ auf die Lungenfunktion aus [9] und bietet ein Risiko für einen ungünstigen Verlauf der COPD [10].

Die folgende Graphik zeigt bildlich, wie sich die Lungenfunktion (eine genaue Beschreibung des FEV1 Wert gibt es hier) eines COPD-Patienten durch Exazerbationen deutlich schneller verschlechtern kann. Leider sind diese Verschlechterungen häufig von dauerhafter Natur. [11]

Eine COPD Exazerbation kann den Verfall der Lungenfunktion deutlich beschleunigen.
Die Lungenfunktion kann durch Exazerbationen deutlich schneller abnehmen (zur Veranschaulichung) [11]
Manche Studien besagen, dass die Lebenserwartung von Patienten mit häufigen Exazerbationen – abhängig vom Krankheitsstadium der COPD – um bis zu 82% niedriger ist als bei „Normalgesunden“ [12].

 Es ist daher ungemein wichtig und notwendig, dem Auftreten von Exazerbationen entsprechend vorzubeugen und sie ausreichend zu behandeln, wenn sie auftreten. 

Wie wird eine exazerbierte COPD behandelt?

In der Regel bekommen Patienten mit einer COPD vom behandelnden Arzt mindestens ein Notfallmedikament verschrieben. Häufig sind dies sogenannte kurzwirksame Bronchodilatatoren zum Inhalieren. Sie förndern die Erweiterung der Bronchien und damit die Belüftung der Lunge.

Leichte Exazerbationen können von Patienten häufig selbst ausreichend mit solchen Notfallmedikamenten behandelt werden.

Bei schwerwiegenderen Akutfällen ist jedoch meist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig.

Die Therapie setzt sich dann meist aus mehreren Punkten zusammen. So wird z.B. die Therapie mit Bronchodilatatoren weiter gesteigert und eventuell kortisonhaltige Präparate zum Inhalieren hinzugegeben. Ebenso kann unterstützend Sauerstoff über eine Inhalationsmaske gegeben werden.

Bei Verdacht auf einen Atemwegsinfekt als Ursache für die Exazerbation werden eventuell Antibiotika verabreicht [1].

Physiotherapeutische Maßnahmen, wie z.B. „Klopfmassagen“, können bei der Schleimlösung und der Befreiung der Atemwege helfen.

In sehr schweren Fällen kann die Lunge so „überfordert“ sein, dass der Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann. Es kann eventuell sogar zu Bewusstseinseinschränkungen kommen. Dann können technische Geräte zur Unterstützung der Atemfunktion, zur sogenannten nichtinvasive Beatmung (NIV), oder eventuell sogar eine vollständig künstliche Beatmung notwendig werden [4].

Nochmals in Kürze
  • Exazerbationen sind also deutlich spürbare Verschlechterungen im Zustand eines COPD-Patienten.
  • Sie werden häufig durch Infektionen verursacht und Patienten können sie durch eine Verschlechterung der Symptome im Vergleich zum Normalzustand erkennen.
  • Bei mittleren und schweren Exazerbationen sollte unbedingt ein Arzt kontaktiert werden, da diese sehr starke und teilweise unumkehrbare Auswirkungen auf die Lungenfunktion und die Lebenserwartung haben können.
  • Obwohl Exazerbationen gerade bei schwerer COPD häufig auftreten können, gibt es verschiedene Techniken um diesen vorzubeugen: Reduzieren von Risikofaktoren wie Rauchen oder Luftverschmutzung, Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken. Außerdem ausreichend trinken sowie sich gesund ernähren. [13]
  • Auch körperliche Betätigung und Kräftigungsübungen sind effiziente Vorbeugemaßnahmen: Diese können in der Physiotherapie, in ambulanten Lungensportgruppen oder auch mit der App Kaia COPD erlernt und regelmäßig angewendet werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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