Entspannungsübungen bei COPD

COPD Enstpannungsübungen können bequem zuhause durchgeführt werden.

Die klassische COPD Therapie fokussiert sich einerseits auf der medikamentösen Behandlung der Atemnot und des Hustens. Zum anderen sind Bewegungstherapie, Atemübungen und Sauerstofftherapie wesentliche Pfeiler der COPD-Behandlung. Ausführlichere Informationen zu den Ursachen, Symptomen und der Behandlung von COPD findest Du hier.

Leider wird in klassischen COPD-Therapien wenig auf die allgemeine Beeinträchtigung der Lebensqualität und damit auf das herabgesetzte psychische Wohlbefinden und die übermäßige Erschöpfung eingegangen. [1]

Neueste Studien zeigen aber, dass es gerade bei chronischen Erkrankungen wichtig ist, in der Therapie auch psychische Belastungen wie Stress oder Erschöpfung zu behandeln.

Entspannungstechniken sind das erste Mittel der Wahl um Stress zu reduzieren und Gefühle von Erschöpfung oder Müdigkeit zu verbessern. Auch bei der Therapie von COPD, genauso wie bei allen anderen chronischen Erkrankungen, können Entspannungsübungen eine hilfreiche Unterstützung für eine erfolgreiche Langzeittherapie sein. [2]

Dieser Artikel erklärt, warum es sinnvoll ist, Entspannungsübungen in die Therapie von COPD zu integrieren, wie diese wirken und welche Entspannungsverfahren den größten Therapieerfolg versprechen.

Warum sind Entspannungsübungen bei COPD sinnvoll?

Bei vielen Personen, die an COPD erkrankt sind, kommt es im Laufe der Erkrankung zu einer Art Negativspirale.

Der Teufelskreis schadet der Entspannung bei COPD.
Atemnot und damit verbundene Angst können dazu führen, dass Patienten sich zu wenig bewegen.

 

Durch die Atembeschwerden bei körperlicher Betätigung wird die körperliche Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt. Oftmals wird deshalb jegliche körperliche Anstrengung vermieden und Schonverhalten prägt den Alltag. Durch zu viel Ruhe und Schonen kommt es mit der Zeit jedoch zu einem weiteren Abfall der körperlichen Leistungsfähigkeit. Die allgemeine körperliche Fitness nimmt ab, Muskeln werden abgebaut und die körperliche Belastungsfähigkeit sinkt. Durch die eingeschränkte Leistungsfähigkeit beginnt die Lebensqualität deutlich zu leiden. Das allgemeine Wohlbefinden nimmt ab, viele Personen ziehen sich zurück und vermeiden soziale Kontakte. [2]

In einigen Fällen kann diese Negativspirale bis hin zu depressiven oder ängstlichen Phasen führen, und Gefühle wie Hoffnungslosigkeit, Machtlosigkeit oder Hilflosigkeit können auftreten oder intensiver werden. Depressive oder ängstliche Symptome sind besonders in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung sehr häufig. [3]

Hinzu kommt, dass das andauernde Gefühl von körperlicher und geistiger Erschöpfung jegliche Aktivität noch anstrengender erscheinen lässt. Durch die große Erschöpfung, die viele Personen mit COPD verspüren, wird diese Negativspirale noch deutlich verstärkt.

 Depression und Angst kann also direkt das Energie-Level im Alltag reduzieren. 

Das überwältigende Gefühl von Müdigkeit und körperlicher Erschöpfung, das viele COPD-Patienten verspüren, kann durch das Zusammenwirken verschiedener Ursachen ausgelöst werden. Sauerstoffmangel, Muskelabbau, Medikamentennebenwirkungen, Schlafstörungen und Stress oder andere psychische Belastungen können die Erschöpfung auslösen oder zusätzlich verstärken. [4]

Um aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu können, sollte deshalb auch in der Therapie von COPD ein besonderes Augenmerk auf die Behandlung von psychischen Beeinträchtigungen gelegt werden. Es ist wichtig in der Therapie der COPD auch das allgemeine Wohlbefinden, psychische Belastungen und die körperliche und psychische Erschöpfung zu berücksichtigen und durch spezifische Behandlungsmaßnahmen zu verbessern. Wichtige Maßnahmen, die sich bei der Behandlung von Müdigkeit, Erschöpfung und psychischen Belastungen auch bei anderen chronischen Erkrankungen bewährt haben, sind Entspannungstechniken. [1, 5]

Welche Entspannungsübungen werden für COPD-Patienten empfohlen?

Es gibt verschiedene Entspannungsübungen, die in der COPD-Therapie angewendet werden können. In wissenschaftlichen Studien wurde untersucht, welchen Effekt die Entspannungstechniken auf die COPD-Symptome haben und ob sie dabei unterstützen können, den Allgemeinzustand zu verbessern. Die häufigsten Entspannungsübungen, die in diesem Zusammenhang angewendet werden, sind die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Atemtechniken, Imaginations-Übungen, Yoga und Tai Chi. [6]

COPD Entspannung kann durch Yoga erreicht werden
Entspannung kann auf verschiedene Arten herbeigeführt werden – auch mit Yoga und Tai Chi.

In mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass insbesondere die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson eine effektive Entspannungstechnik bei COPD ist. Durch ein mehrwöchiges Training in Progressiver Muskelentspannung (PMR) kann der dauerhafte Stresszustand, der durch eine COPD-Erkrankung ausgelöst wird, deutlich gebessert werden. Während der Progressiven Muskelentspannung kommt der ganze Körper in einen aktiven Entspannungszustand und erholt sich. Der Puls wird langsamer, der Blutdruck sinkt und der Atem wird ruhiger und tiefer. COPD-Patienten berichten nach mehreren Wochen PMR-Training davon deutlich weniger Atemnot zu verspüren. [7]

Neben der körperlichen Entspannung hilft die Progressive Muskelentspannung auch dabei psychisch entspannen zu können. Ängste und depressive Gedanken oder Gefühle lassen sich durch die Entspannungstechnik langfristig deutlich reduzieren. Auch die Schlafqualität kann durch die PMR verbessert werden. Durch den erholsameren Schlaf und die regelmäßige aktive Entspannung wird das Gefühl andauernd körperlich und/oder geistig erschöpft zu sein, merklich gebessert. Insgesamt kann die Progressive Muskelentspannung den Allgemeinzustand verbessern und das allgemeine Wohlbefinden deutlich steigern. [8, 9]

Progressive Muskelrelaxation kann also nicht nur Ängste und depressive Gedanken reduzieren, sondern hilft bei COPD auch, weniger Atemnot zu verspüren.

Atemübungen wie die Lippenbremse, Zwerchfellatmung oder der Kutschersitz stellen bereits einen wichtigen Teil in der COPD-Behandlung dar. Die Atemübungen können ebenfalls dabei helfen sich zu entspannen und allen voran die Lungenfunktionsfähigkeit zu verbessern. Mehr zu Atemtechniken gibt es auch hier: [6]

Auch Imaginationsübungen wie Traumreisen können die COPD-Therapie ergänzen und dabei helfen häufiger und intensiver entspannen zu können. Während einer Imaginationsübung kommt es sowohl zu einer körperlichen wie auch psychischen Entspannung. Durch das regelmäßige Anwenden von Imaginationsübungen kann die Atmung auf lange Sicht verbessert werden. Die Atmung wird während den Übungen langsamer und tiefer und die Sauerstoffsättigung im Blut verbessert sich deutlich. [10]

Yoga kann ebenfalls eine gute Strategie bei COPD sein, um zu entspannen und gleichzeitig die körperliche Fitness zu verbessern. Bei Yoga-Übungen kommt es sehr auf die richtige Atmung an. Die Atmung wird während den Yoga-Übungen tiefer und langsamer. Grundsätzlich ist eine eher leichte bis mittlere Intensität der Übungen zu empfehlen, um sich nicht zu überanstrengen. Nach einem mehrwöchigen Yoga-Training ist die Atmung allgemein verbessert und der Atem kann leichter kontrolliert werden. Neben der Atmung verbessert sich bei Yoga auch die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit. [11]

Ähnlich wie Yoga kann auch Tai Chi ein alternatives Bewegungs- und Entspannungstraining für COPD-Patienten sein. Durch die leichten bewussten Bewegungen und die tiefe Atmung wird der ganze Körper aktiviert und gelockert. Das Training wirkt gleichzeitig aktivierend wie auch entspannend. Grundsätzlich kann durch ein regelmäßiges Training die allgemeine Lebensqualität deutlich gebessert werden. [12]

Die Progressive Muskelentspannung als Entspannungstechnik bei COPD

Im Gegensatz zu den anderen Entspannungsübungen hat die Progressive Muskelentspannung den Vorteil, dass sie einfach zu erlernen ist und ganz flexibel überall und nach einer Einführung selbstständig durchgeführt werden kann.

Bei der Progressiven Muskelentspannung (PMR) nach Jacobson wird durch das schrittweise (progressive) bewusste An- und Entspannen von verschiedenen Muskelgruppen eine muskuläre und auch geistige Entspannung erreicht. Bei der bekanntesten Version der PMR nach Bernstein und Borkovec werden 16 Muskelgruppen – von den Händen bis zu den Füßen – aktiviert (ca. 20 Minuten). Die Kurzversion ist mit 4 bis 7 Muskelgruppen deutlich kürzer, und dauert meist nur 5 bis 10 Minuten. Die Progressive Muskelentspannung kann sowohl im Liegen wie auch im Sitzen durchgeführt werden.

COPD Enstpannungsübungen können bequem zuhause durchgeführt werden.
Die progressive Muskelrelaxation spezifisch für COPD Patienten kann mit der Kaia App direkt zu Hause gelernt werden.

Die Übungsanleitung erfolgt anfangs im Idealfall durch einen erfahrenen Therapeuten – so wie in der Kaia App im Entspannungsteil. Wenn das Entspannungsverfahren gut gelernt wurde, können die Übungen dann auch ohne Anleitung selbstständig durchgeführt werden. Grundsätzlich wird empfohlen die PMR zweimal am Tag für je 15 bis 20 Minuten zu üben. Nach zwei Wochen täglichem Üben sind die ersten Effekte spürbar. [13]

Gerade bei der COPD ist es hilfreich durch die Progressive Muskelentspannung zu erlernen, die eigenen Muskeln ganz bewusst anspannen und entspannen zu können. Gerade bei Verspannungen oder Atemnot kann diese Entspannungsübung dabei unterstützen Anspannung und Stress zu lösen. [8]

Zusammengefasst – was bringen Entspannungsübungen bei COPD?

Entspannungsübungen – insbesondere die Technik der progressiven Muskelentspannung – sind ein wesentlicher Bestandteil der ganzheitlichen COPD-Therapie:

  • Durch die Berücksichtigung psychischer Belastungen in der Therapie wird ein ganzheitliches Therapiekonzept unterstützt.
  • Durch das regelmäßige Üben von Entspannungsübungen kann sowohl die körperliche wie auch psychische Anspannung reduziert werden.
  • Durch die körperliche Entspannung wird eine verbesserte Atmung und damit eine bessere Sauerstoffversorgung des Körpers gefördert.
  • Die psychische Entspannung reduziert psychische Belastungen und Stress, welche durch die chronische Erkrankung ausgelöst werden können.
  • Das Gefühl von körperlicher und geistiger Erschöpfung nimmt langfristig stetig ab und es fällt leichter sich zu Bewegung und Aktivität zu motivieren.

All diese Effekte bewirken eine allgemeine Verbesserung des psychischen und körperlichen Wohlbefindens und damit der Lebensqualität von COPD-Patienten. Die Technik der progressiven Muskelrelaxation – spezifisch angepasst für COPD Patienten – kann direkt in der Kaia COPD App gelernt und regelmäßig durchgeführt werden.

Quellen und wissenschaftliche Studien
  1. https://www.leitlinien.de/nvl/copd
  2. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1744388117305534
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15821196/
  4. http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1753465816661930
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3469207/
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4539049/
  7. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1479972309346754.
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18230945/
  9. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1744388117305534
  10. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/oti.203
  11. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3051406/
  12. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4230171/
  13. zaen.gruen.net/archiv/pdf/2000/2000-12.pdf#page=10

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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