Lippenbremse, Kutschersitz und co: Effektive Atemübungen und Atemstellungen bei COPD

Wahrscheinlich hast du schon von den Atemübungen und -Stellungen wie Kutschersitz, Lippenbremse oder Zwerchfellatmung gehört. Kein Wunder: die ersten Übungen zur Atemgymnastik wurden bereits in den 1950er Jahren in Japan entwickelt und stellen seither einen wichtigen Teil der Behandlung von Lungenerkrankungen dar. [1]

Über die Hälfte der von COPD Betroffenen leiden täglich unter Atemnot. Damit ist sie das häufigste Symptom von COPD Patienten und kann unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung auftreten.

Ein Großteil der Atemübungen wurde genau dafür entwickelt: um Atemnot zu lindern. [2]

Atemübungen haben aber noch viele weitere positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf:

  • Sie können die Atemmuskeln entlasten oder stärken,
  • Sie verbessern die Sekretelimination
  • Sie erhöhen die Beweglichkeit des Brustkorbes zu erhöhen
  • Sie verbessern den Gasaustausch [3]

In Deutschland werden Atemübungen traditionell in der Reha, der Atemphysiotherapie oder im Lungensport vermittelt. [4]

Viele Atemübungen können Patienten mit Lungenerkrankungen helfen: Die Lippenbremse, Atemreizgriff, Zwerchfellatmung, Yoga und atmungserleichternde Körperhaltungen wie zum Beispiel der Kutschersitz oder die Torwartstellung. Hinzu kommen modernere Methoden wie Computer-gestützte Atem-Feedback-Geräte und alternative Methoden wie Didgeridoo-Spielen oder spezifische COPD Sing-Übungen [5].

 Je nach Absicht und persönlicher Vorliebe, kann jeder selber herausfinden, welche Technik am besten geeignet ist. 
Atemübungen bei COPD
Atemübungen und Atemgymnastik können bei Atemnot helfen.

Aber wie wirkungsvoll sind Atemübungen zur Behandlung der COPD? Welche Techniken haben sich bewährt? Und wie kann man diese selber umsetzen? Dieser Artikel liefert Antworten.

Die Ursachen der Atemnot verstehen: Deshalb kann Atemgymnastik helfen

Atemnot ist ein häufig auftretendes Symptom der COPD. Sie tritt sowohl im normalen Zustand auf, sowie auch bei akuten Verschlechterungen der Krankheit. Sie kommt bei der chronischen Bronchitis und auch beim Lungenemphysem vor. [5]

Dabei basiert Atemnot nicht immer auf einer verschlechterten Lungenfunktion; die Schwere der wahrgenommenen Atemnot kann sogar unabhängig von Änderungen der Lungenfunktion variieren. Atemnot hat also immer einen körperlichen, aber auch einen psychischen Anteil.  [6]

Wie aber entsteht Atemnot bei COPD?

Patienten mit COPD können deutlich langsamer die gesamte Atemluft ausatmen als Lungengesunde. Das kann daher kommen, dass die Atemwege durch Entzündungen und oder Sekret verengt sind (Chronische Bronchitis). Weniger Luft strömt durch die Lunge und Patienten verspüren Atemnot.  [7]

Atemübungen können Bronchien öffnen
Durch die Entzündung und Verengung kann weniger Luft durch die Bronchie fließen.

Bei einem sogenannten Emphysem, dem anderen wichtigen Teil der COPD, können die kleinen Lungenbläschen erschlaffen. In gesunden Lungen sind die Wände der Bläschen flexibel und beweglich. Sie funktionieren wie ein Ballon und ziehen sich automatisch zusammen, wenn man ausatmen möchte.

Bei Patienten mit einem Emphysem funktioniert dieses automatische Zusammenziehen nicht mehr richtig, da die Wände der Lungenbläschen ihre Flexibilität verlieren. Dies führt dazu, dass Patienten mehr Kraft benötigen um Ein- und Ausatmen zu können.

Die Atemwege, also die Röhren, die zu den Lungenbläschen führen, können zusammenfallen, wenn die Luft aus der Lunge ausgeatmet wird- ähnlich wie bei einem Plastiksack, aus dem die Luft herausgesaugt wird.

Diese erschlaffte Lunge ist schwieriger zu entleeren und mehr Luft bleibt auch nach der Ausatmung in der Lunge. Dieses sogenannte Air Trapping bedeutet, dass man weniger Luft einatmen kann, da die Lunge bereits zu einem Teil mit Luft gefüllt ist.  [8]

Die Folge kann ein erhöhtes Lungenvolumen oder eine Überblähung sein, welche wiederum das Gefühl der Atemnot verstärken. [9]

Zusätzlich nimmt der Körper durch den schlechteren Austausch von Sauerstoff und CO2 zwischen Blutstrom und Atemluft sowie durch die Restluft in der Lunge ein Ungleichgewicht wahr: Obwohl man schnell atmet, gelangt nicht genug Sauerstoff in den Blutkreislauf. Dieses Ungleichgewicht führt zu einem Gefühl von mangelnder Atemanstrengung und erhöhter Atemnot. [10]

Atemnot hat also verschiedene Ursachen
  • Entzündung und Sekret verkleinern die Bronchien
  • Eine kleinere Oberfläche der Lungenbläschen, die dazu führt, dass Sauerstoff und CO2 weniger gut zwischen dem Blut und der Atemluft ausgetauscht werden können
  • Weniger elastische Lungenbläschen, welche sich nicht mehr von alleine zusammenziehen um die Luft aus der Lunge zu befördern
  • Weniger stabile Atemwege, die beim Ausatmen zusammenfallen können
  • Die letzten beiden Symptome führen dazu, dass häufig Restluft in der Lunge hängen bleibt, wodurch weniger neue Luft eingeatmet werden kann
  • Die Beschwerden werden verstärkt, weil der Körper trotz höherer Anstrengung beim Atmen nicht entscheidend besser mit Luft versorgt wird. Dieses Ungleichgewicht führt zu einem unangenehmen Gefühl und verstärkt die wahrgenommene Atemnot.

Bei Atemnot die Atemwege mit Atemgymnastik unterstützen

Ein wichtiges Ziel der Atemgymnastik muss daher sein, die Lunge beim Ausatmen zu unterstützen. Das kann die Überblähung der Lunge vermindern und den Gasaustausch fördern.

Die beschriebenen Ursachen zu Atemnot veranlassen viele Patienten dazu, sich weniger zu bewegen und so Atemnot zu vermindern, indem Situationen mit erhöhter Atemanstrengung vermieden werden. [11]

Es hat sich jedoch gezeigt, dass genau diese Vermeidung schlecht für den Krankheitsverlauf ist. Das genaue Gegenteil ist der Fall:

 Mehr Bewegung und die richtigen Atemübungen führen dazu, dass die Atemnot langfristig verringert wird und sich Beschwerden verbessern. 

Die positiven Effekte von Bewegung wird von Experten auf die gleiche Stufe gestellt, wie die Verwendung der richtigen Medikamente.

So können Patienten, welche ein regelmäßiges körperliches Training durchführen, sich bedeutend länger körperlich anstrengen (z.B. Laufen oder Hausarbeit) bevor Sie ausser Atem kommen, als Patienten, deren Therapie nur aus Inhalatoren besteht. [12]

 

Atemübungen helfen auch bei körperlicher Betätigung und Sport

 

Außerdem können Atemübungen die Überblähung der Lunge reduzieren und dadurch nicht nur die Leistungsfähigkeit im Alltag erhöhen, sondern auch die Atemfrequenz verbessern und den Sauerstoffgehalt im Blut erhöhen. [13]

Mit diesen Techniken der Atemtherapie kannst du Atemnot vermindern und die Lebensqualität verbessern  

Im Folgenden wollen wir einige wissenschaftlich erprobte Techniken vorstellen, welche Teil der Atemgymnastik bei Lungenerkrankung sein können.

Lippenbremse

Die Lippenbremse ist die Grundlage aller Atemübungen. Sie kann sowohl bei körperlicher Belastung wie auch bei Atemnot eingesetzt werden und ist verhältnismäßig einfach zu erlernen. Es ist also kein Wunder, dass Experten das Erlernen und regelmäßige Verwenden der Lippenbremse bei fast allen Patienten empfehlen. Lungencoach Thomas zeigt dir hier wie es geht (das Video ist von der Kaia COPD App, die gibt es hier):

Bei der Lippenbremse erfolgt die Ausatmung langsam, durch zusammengedrückte und beinahe geschlossene Lippen. Dies erhöht den Druck innerhalb der Atemwege. [14]

Der erhöhte Druck verhindert dadurch, dass die Atemwege zusammenfallen. Mehr Luft kann durch die Atemwege strömen und dadurch nimmt die Überblähung der Lunge ab. [15]

Weiterhin führt die Lippenbremse zu einer langsameren und kontrollierten Atmung. So kann in der Lunge der Austausch von Sauerstoff und CO2 zwischen Atemluft und Blut effektiver stattfinden. Das verringert Atemnot. Das Gefühl der Ruhe und Kontrolle kann zurückgewonnen werden. [16]

Atemübungen können entspannend wirken.
Die Lippenbremse kann helfen, das Gefühl der Entspannung und Ruhe zurück zu bringen.

Auch bei körperlicher Aktivität macht die Lippenbremse Sinn: Sie kann das Tempo der Atmung und die Atemarbeit reduzieren. Dies wirkt beruhigend und ermöglicht dir, länger und effektiver zu trainieren. [17]

Zwerchfellatmung

Neben der Lippenbremse ist auch die Zwerchfellatmung eine vielversprechende Atemübung. Die beiden lassen sich sehr gut miteinander kombinieren.

Bei der Zwerchfellatmung geht es vor allem darum, die Atembewegung hauptsächlich mit dem Zwerchfell zu betreiben. Der wichtigste Effekt ist die Entlastung der vielen Muskeln, die bei der Atmung helfen. [18]

Die Zwerchfellatmung eignet sich vor allem für Personen mit erhöhter Atemfrequenz und mit einem relativ kleinen Luftvolumen bei der Ein- und Ausatmung.

Die Technik lässt sich sowohl liegend als auch sitzend und stehend durchführen.

Kutschersitz

Der Kutschersitz ist an sich nicht eine Atemübung, sondern eine atemerleichternde Position, in welcher sowohl die Lippenbremse wie auch die Zwerchfellatmung angewandt werden können.

Durch die veränderte Position kann sich die Rückenmuskulatur entspannen, da das Gewicht der Schultern und Arme nicht zusätzlich auf den Rippen lastet. Dadurch wird weniger Energie benötigt und somit auch weniger Sauerstoff verbraucht. [19]

Durch das Sitzen in einem Kutschersitz und das ruhige, kontrollierte Atmen, kann der Gasaustausch gefördert und die Überblähung der Lunge reduziert werden. [20]

Es gibt zahlreiche andere atemerleichternde Positionen, welche auf ähnlichen Prinzipien beruhen. Eine gute Übersicht liefert zum Beispiel der Lungeninformationsdienst.

 

Alternativen

Yoga Pranayama

Auch Yoga Pranayama (der geführte Atem im Rahmen der Yoga Übungen) hat sich bewährt als effektives Tool, welches einfach von Patienten zu Hause durchgeführt werden kann: Die Technik kann die Atemnot und generelle Müdigkeit verringern, Leistungsfähigkeit erhöhen und die Lungenfunktion verbessern. Intensive Yoga Programme führen sogar zu einem höheren Sauerstoffgehalt im Blut und zu einer höheren körperlichen Leistungsfähigkeit. [21,22]

Yoga als Atemübung
Yoga kann auch bei COPD helfen – es gibt auch einfachere Übungen 😉

Singen

Auch andere Therapien können sich sehr positiv auswirken. So wird zum Beispiel Singen in Gruppen von Patienten nicht nur als positiv für die Symptome der Atemwege wahrgenommen, sondern bringt auch soziale und emotionale Vorteile für motivierte Teilnehmer. [23]

Motivation: So kannst du Atemübungen in den Alltag einbinden

Ziel aller Übungen ist es neben den körperlichen Effekten, einen Zustand der inneren Ruhe herbeizuführen. Damit werden Ängste und Verkrampfungen – auch der Atemmuskulatur – abgebaut.

Atemtechniken sollten möglichst regelmäßig und in beschwerdefreien Phasen eingeübt werden – denn dann sind sie am wirkungsvollsten und können auch bei akuter Atemnot richtig angewendet werden. [24]

Die Lippenbremse z.B. kann als Übung selber benutzt werden und sogar beim Schlafen helfen.

Zögere also nicht, Atemübungen in den Alltag einzubauen. Diese helfen sowohl bei Atemnot, wie auch bei alltäglichen Arbeiten und werden deshalb auch von gängigen Leitlinien zur Behandlung empfohlen! [4]

Einen guten Einstieg in die Techniken bietet das Video der Atemwegsliga auf Youtube. Weiterhin kannst du Atemübungen im Lungensport, von Atemphysiotherapeuten oder in einer pneumonalen Rehabilitation lernen.

Eine gute Hilfestellung zur Einübung von Atem-, Entspannungs- und Bewegungsübung bietet auch die Kaia App für COPD Therapie. Sie zeigt dir täglich die besten Übungen um COPD wirksam selbst zu Hause zu behandeln. Die App kann hier kostenlos für 7 Tage getestet werden.

 

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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